Stand: 14.03.2017 18:22 Uhr

Atomaufsicht untersagt Hochfahren von Brokdorf

Das Kernkraftwerk Brokdorf bleibt vorerst vom Netz. Der für die Atomaufsicht zuständige Umweltminister Robert Habeck (Grüne) hat die Pläne zu einem schnellen Wiederanfahren des Kraftwerks gestoppt. "Wir lassen uns nicht treiben", sagte Habeck. Im vergangenen Monat war bekannt geworden, dass sich an einigen Brennstäben außergewöhnlich dicke Oxidschichten gebildet hatten. Die genaue Ursache ist noch unklar. Betreiber PreussenElektra wollte den Meiler aber dennoch schnell wieder anfahren.

Ministerium widerspricht Betreiber

Es habe sich gezeigt, dass nur eine einzige Charge von Brennelementen betroffen sei und für den anstehenden Betrieb würde keines davon eingesetzt, hieß es. Der Meiler sei "in vollständig bestimmungsgemäßem Zustand" und in etwa zwei Wochen nach Abschluss ausstehender Arbeiten wieder bereit zum Wiederanfahren, sagte Geschäftsführer Erwin Fischer.

Dem widersprach das Ministerium. Es geht davon aus, dass die betroffenen Brennstäbe aus mindestens zwei Chargen stammen und nicht aus einer. Das Ressort kritisierte zudem, es habe in Brokdorf bislang nur Stichproben gegeben.

Habeck: "PreussenElektra sucht den Konflikt"

Am Montagabend erfuhr das Ministerium nach eigenen Angaben von den Plänen des Betreibers für eine neue Beladung des Kerns ab Mittwoch. "Es handelt sich um einen neuen Reaktorkern. Nach der Betriebsgenehmigung ist eine neue Kernbeladung der Aufsichtsbehörde drei Monate vorher anzuzeigen", sagte Habeck. Die beabsichtigte Beladung sei unzulässig. Die mehrmonatige Dauer solle eine sorgfältige und ungestörte Prüfung ermöglichen. Auf die kurzfristige Ankündigung von PreussenElektra reagierte Habeck verärgert: "Insofern muss ich unterstellen, dass PreussenElektra tatsächlich den Konflikt an dieser Stelle sucht."

"Für die Zukunft muss ausgeschlossen sein, dass sich erneut Oxidschichten bilden, die den Grenzwert überschreiten", sagte der Leiter der Atomaufsicht, Jan Backmann. Die Ursache für die Oxidation müsse zunächst gefunden werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.03.2017 | 19:00 Uhr

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