Stand: 23.08.2020 08:31 Uhr

Was machen eigentlich... die spanischen Azubis?

Lisón Ferrández und seine Familie. © NDR Foto: Lisón Ferrández
"Ich würde das immer wieder machen", sagt Joaquín Lisón Ferrández, der 2014 aus Spanien ins Emsland kam.

"Als ich damals im Bus nach Deutschland saß, hatte ich schon ein bisschen Angst", sagt Joaquín Lisón Ferrández. 2014 kam er zusammen mit anderen jungen Spaniern ins Emsland, machte erst ein Praktikum und dann eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Denn während hier viele Betriebe keine Auszubildenden fanden, war gerade in Spanien die Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen besonders hoch. Lisón Ferrández entschied sich anschließend für ein Leben in Norddeutschland. Wie geht es ihm heute? "Wir heiraten nächsten Monat", erzählt Lisón Ferrández. Die Tochter der Gastfamilie, bei der er während des Praktikums untergebracht war, wird nun bald seine Frau, ein zweites Kind sei unterwegs. Und auch beruflich läuft es gut: Inzwischen arbeitet er im Offshore-Bereich für eine Firma mit Sitz im Emsland.

"Die haben Willkommenskultur gelebt"

Drei Personen stehen in einem Hauseingang, der mit einer Fahne auf der "Bienvenido!" geschrieben steht, geschmückt ist. © Anneliese Hanelt Foto: Anneliese Hanelt
Gelebte Willkommenskultur: So wurden die jungen Spanier im Emsland begrüßt.

"Es kann funktionieren, wenn die Leute gut betreut und gut integriert sind", sagt Anneliese Hanelt, Projektkoordinatorin der Ems-Achse, die die jungen Spanier damals im Rahmen einer internationalen Ausbildungsinitiative unterstützte. Zum Erfolg hätten besonders die Gastfamilien beigetragen, bei denen die Spanier während ihres Praktikums untergebracht waren. "Da gibt es teilweise bis heute eine enge Bindung", so Hanelt. "Dann heißt es: 'Da kann ich nicht, da hat Opa Geburtstag.' Und gemeint ist der Opa aus der Gastfamilie." Sogar bei der Einrichtung der neuen Wohnung nach dem Praktikum hätten viele Gastfamilien damals geholfen: "Die haben Willkommenskultur gelebt", so Hanelt.

"Ich würde das immer wieder machen"

"Am Anfang konnte ich gar kein Deutsch", erzählt Lisón Ferrández. Aber alle hätten ihm geholfen, es zu lernen. Heimweh habe er ab und zu immer noch ein bisschen. "Aber ich bin glücklich hier", sagt er. Inzwischen habe er viele deutsche Freunde, vor allem durch die große Familie seiner zukünftigen Frau. Mit ihr und dem gemeinsamen Kind lebt er seit anderthalb Jahren in einem Haus auf dem Land. Zu seiner Entscheidung, 2014 für ein Praktikum und eine Ausbildung nach Meppen zu kommen, sagt er rückblickend: "Ich würde das immer wieder machen."

Auch andere spanische Azubis sind geblieben

Insgesamt kamen rund 100 junge Menschen zwischen 2012 und 2014 aus Spanien ins Emsland, nach Ostfriesland und in die Grafschaft Bentheim, um ein Praktikum zu machen. Rund 65 der spanischen Praktikanten machten im Anschluss eine Ausbildung, über die Hälfte von ihnen hat diese auch abgeschlossen. Einige dieser ehemaligen Azubis sind bis heute in Niedersachsen geblieben. Mit manchen hat Anneliese Hanelt von der Ems-Achse bis heute Kontakt.

Maria Esther Jiménez Lara

Maria Esther Jiménez sitzt in einem Büro. © Firma Krone
Maria Esther Jiménez Lara arbeitet nach wie vor bei ihrem Ausbildungsunternehmen in Bawinkel.

Maria Esther Jiménez Lara hat ihre Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel erfolgreich in Bawinkel (Landkreis Emsland) absolviert. Sie ist laut Hanelt inzwischen eine "echte Emsländerin" geworden, wohnt nach wie vor in Bawinkel, arbeitet mit einem nun unbefristeten Vertrag weiterhin im Unternehmen und hat einen großen deutschen Freundeskreis.

Ariana Luis Pérez und José Luis Álvarez Antequera

Ariana Luis Pérez und José Luis Álvarez Antequera stehen Arm in Arm in einem Garten in Lengerich. © Job-Chance Ems-Achse Foto: Anneliese Hanelt
Ariana Luis Pérez und José Luis Álvarez Antequera lernten sich durch die Ausbildungsinitiative kennen.

Das Paar lernte sich durch die Ausbildungsinitiative in Deutschland kennen. Ariana Luis Pérez kam 2013 und wechselte nach Ende ihrer erfolgreich absolvierten Ausbildung zur Hotelfachfrau im Juni 2016 zu einem Hotel im Emsland, in dem sie inzwischen eine leitende Stellung hat. Ihren Freund José Luis Álvarez Antequera lernte sie kennen, als er 2014 ebenfalls in die Region kam. Er schloss hier eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker ab.

Juan Fernández Domingo

Juan Fernández Domingo steht in einem Lager am Computer. © Firma Krone
Juan Fernández Domingo hat nun einen unbefristeten Vertrag bei seinem Ausbildungsbetrieb.

Juan Fernández Domingo absolvierte eine Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik in Bawinkel (Landkreis Emsland). Seine Freundin aus Spanien folgte ihm schon 2014 nach Deutschland. Sie arbeitet bei einem großen Unternehmen in Lingen (Landkreis Emsland) als Chemikerin. Er arbeitet mit einem unbefristeten Vertrag weiterhin bei seinem Ausbildungsbetrieb. 

José Luis Ruiz López

Heinz Konken, Anneliese Hanelt, José Luis Ruiz López und Francisco Javier López Alcarria stehen für ein Gruppenfoto zusammen. © Anneliese Hanelt
José Luis Ruiz López wurde Innungsbester von rund 30 Prüflingen.

José Luis Ruiz López kam 2013 in die Region. Im Januar 2017 legten er und sein spanischer Kollege Francisco, der mittlerweile in Berlin arbeitet, die Prüfung zum Elektroniker für Haus- und Gebäudetechnik ab. José Luis wurde Innungsbester von rund 30 Prüflingen, blieb nach seiner Ausbildung im Betrieb in Werpeloh (Landkreis Emsland) und fühlt sich laut Anneliese Hanelt dort und in seinem Wohnort nach wie vor sehr wohl.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 01.08.2013 | 17:00 Uhr

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