Stand: 25.09.2018 19:13 Uhr

Was bleibt nach dem Brand vom Moor übrig?

Noch glimmen die Glutnester im Moor im Emsland. Rund zwölf Quadratkilometer Fläche sind betroffen. Bis tatsächlich alle Nester gelöscht sind, kann viel Zeit vergehen. "Derzeit ist leider noch nicht abzusehen, wie lange die Brandlöschung noch andauern wird", heißt es inzwischen von der Bundeswehr. Vielleicht mehrere Monate - das befürchtet Moorforscher Jan Peters aus Greifswald. "Wir hatten Moorbrände in Russland, bei denen noch nach einem halben Jahr Glutnester unter der Erde schwelten", sagte der Landschaftsökologe dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Wo brennt es unter der Erde?

Die unterirdischen Glutnester machen die Löscharbeiten besonders schwierig, wie Brand-Experte Hans-Joachim Gressmann in der vergangenen Woche erklärte: "Sie können oben drüber gehen und wissen nicht, ob es einen halben Meter unter ihnen in irgendeiner Torfader weiter brennt." Darüber hinaus sei es nicht möglich, den Boden wirklich nass zu bekommen. Torf habe auch wasserabstoßende Eigenschaften. "Das heißt, das Löschwasser dringt nicht tief genug ein, um die Glutnester zuverlässig alle zu erwischen." Mithilfe von Aufklärungstornados mit Wärmebildkameras versucht die Bundeswehr daher, die Brandstellen unter der Erde zu orten. Infrarotaufnahmen zeigen weiße Flecken auf schwarzem Untergrund. "An den weißen Stellen ist es wärmer als an den anderen", sagte Bundeswehrsprecher Michael Bertschick NDR.de.

Eine Luftaufnahme zeigt ein von einem Moorbrand betroffenes Gebiet. © Bundeswehr Eine fusionierte Luftaufnahme zeigt ein von einem Moorbrand betroffenes Gebiet. © Bundeswehr

"Es kann Jahrzehnte dauern, bis wieder etwas wächst"

Ist schließlich alles gelöscht, stellt sich die Frage, was dann vom Moor noch übrig ist - möglicherweise nur tote Erde. "Es kann Jahrzehnte dauern, bis auf der abgebrannten Fläche überhaupt wieder etwas wächst", so Moorfachmann Peters. Das befürchtet man auch im niedersächsischen Umweltministerium. "Wir gehen im Moment davon aus, dass die Moorflächen Jahre, schlimmstenfalls Jahrzehnte, zur Regeneration brauchen, da anders als bei früheren Bränden nicht nur die Vegetation, sondern auch die Torfkörper betroffen sind", so eine Sprecherin.

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Zurück bleibt extrem nährstoffarmer Boden

Oberirdische Feuer im Moor gebe es häufiger - und die täten dem Ökosystem sogar gut, erklärte Peters. Hier aber habe das Feuer die unterirdischen Torfschichten erreicht. Zwar entstehe auch bei diesem Moorbrand nährstoffreiche Asche, die werde aber innerhalb kurzer Zeit vom Wind weggeweht. Zurück bleibe extrem nährstoffarmer Boden. Der könne sich jeden Sommer erneut so stark aufheizen, dass er sterilisierende Temperaturen erreiche. Pflanzen haben dort dem Experten zufolge keine Chance. Der Brand werde darüber hinaus eine unebene Oberfläche zurücklassen. Eine durchgehend feuchte Moorfläche könne sich in den Höhen und Senken nur schwer wieder entwickeln.

Umweltministerium: Schwerwiegende Folgen

Das Ministerium weist zudem auf schwerwiegende Folgen nicht nur für die Umwelt, sondern auch die Tiere hin. Das Moor gelte als "eines der am besten erhaltenen Hochmoore in Deutschland", so eine Sprecherin zu NDR.de. "Neben moortypischen Pflanzen, Reptilien- und Amphibienarten bietet das Areal auch Rückzugsräume für gefährdete Vogelarten und Insekten wie die Große Moosjungfer", hieß es. Zwar sei die Brutsaison der Vögel abgeschlossen. Unklar sei aber, ob das Gelände in den kommenden Jahren wieder Brutgebiet werde.

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Moorbrand kann Klimawandel weiter anheizen

Ein weiteres Problem sei, dass durch den Brand klimaschädliches CO2 freigesetzt werde. Das Ministerium geht von mindestens 300.000 Tonnen aus. Die tatsächliche Menge hängt davon ab, wie groß die betroffene Fläche letztendlich ist und wie tief das Feuer in den Torfboden eingedrungen ist. Auch Peters warnte im epd-Gespräch vor fatalen Folgen für das Ökosystem Hochmoor und das Klima. Wenn eine der wenigen kaum entwässerten Moorflächen auf einen Schlag riesige Mengen CO2 freisetze, heize das den Klimawandel weiter an.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 25.09.2018 | 18:00 Uhr

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