Schweine stehen im Stall. © dpa-Bildfunk Foto: Sina Schuldt/dpa

"Schweinestau": Zu viele Schweine, zu wenige Schlachter

Stand: 16.10.2020 20:20 Uhr

Eine Erlaubnis zum Schlachten an Sonn- und Feiertagen ist offenbar auch keine Lösung für den "Schweinestau". Den Schlachthöfen fehlen dazu Kapazitäten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Auf die von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Mittwoch angekündigte Ausnahmegenehmigung haben sich demnach bislang zwei Unternehmen beworben. Deutlich mehr haben die Option allerdings auch abgelehnt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Viele Schlachter hielten die Möglichkeit zwar für einen guten Ansatz, für die Umsetzung fehle es aber an Personal. Man arbeite schon fünf Tage unter Volllast, heißt es zum Beispiel vom Schlachthof Uhlen im emsländischen Lengerich.

Wichtiger Schritt - aber keine Lösung

Ähnlich ergeht es der Erzeugergemeinschaft Hümmling im Emsland. Sie verkauft Schweine an neun verschiedene Schlachtbetriebe. Alle neun haben es abgelehnt, auch an Sonn- und Feiertagen zu schlachten, wie Geschäftsführer Bernd Terhalle NDR 1 Niedersachsen sagte. Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter in Deutschland (ISN) mit Sitz in Damme, hält zusätzliche Schlachttage zwar für einen "wichtigen Schritt". Angesichts des Personalmangels in den Schlachthöfen müsse man sich aber noch viele Gedanken machen, damit dies tatsächlich zu einer Entlastung führt, so Staack.

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Otte-Kinast: Erlaubnis soll mehr Flexibilität bringen

Dass der "Schweinestau" nicht nur über eine Arbeitserlaubnis an Sonn- und Feiertagen zu lösen ist, sagte Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast bereits bei der Vorstellung des Plans am Mittwoch. Dies bedeute nicht automatisch, dass mehr Tiere geschlachtet werden, sondern soll den Betrieben mehr Flexibilität ermöglichen, um die Mitarbeiter einzusetzen, so die CDU-Politikerin. Das Ministerium empfahl zusätzlich, dass Mastbetriebe ihre Schweinezucht an die aktuellen Verhältnisse anpassen. Die Engpässe würden länger anhalten, daher sollten die Betriebe ihre Produktion reduzieren, hieß es. Der Überhang in der Schweineproduktion liegt nach Angaben einer Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums derzeit bei rund 40.000 Schweinen pro Woche.

Schlachthof in Sögel will sonntags schlachten

Beworben für die Schlachterlaubnis an Sonn- und Feiertagen hat sich der wegen eines Corona-Ausbruchs derzeit nur eingeschränkt betriebene Schlachthof Weidemark in Sögel (Landkreis Emsland). Dies bestätigte dessen Geschäftsführer Christopher Rengstorf dem NDR. Grund ist die auferlegte Personalreduzierung auf 200 Mitarbeiter. Weil man derzeit wegen Corona nur eingeschränkt arbeiten kann, wolle man zumindest alle Tage der Woche nutzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.10.2020 | 17:00 Uhr

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