Neues Stadtmuseum: Als Haren drei Jahre Maczkòw hieß

Stand: 09.03.2021 06:30 Uhr

Haren im Landkreis Emsland hat ein neues Stadtmuseum. In der "Inselmühle" haben Forscher die Zeit aufgearbeitet, als die Stadt von 1945 an für drei Jahre unter dem Namen Maczkòw polnische Enklave war.

Historische schwarz-weiß Fotos zeigen den Alltag in dieser besonderen Zeit nach dem Krieg, als 40.000 Polinnen und Polen dort lebten. Schnappschüsse zeigen polnische Hochzeitspaare vor der Harener Kirche, Aufnahmen aus den Klassenzimmern der polnischen Schulen, die Notunterkünfte der Harener, die für drei Jahre ihre Häuser verlassen mussten. Über Kopfhörer sind Erlebnisberichte von Zeitzeugen zu hören. Britta Albers leitet das neue Stadtmuseum. Man wolle zeigen, was gewesen ist - kein Aufrechnen von Schuld, keine Heldenverehrung, sagt Albers. Sobald das Hygienekonzept abgenommen ist und die Inzidenz im Landkreis stimmt, kann das Museum öffnen.

Museum ist "Meilenstein der Kulturgeschichte"

Die Ausstellung ist auch interaktiv konzipiert. Auf einer Tischplatte können Besucher einen historischen Stadtplan antippen. Dieser macht sichtbar, wie Maczków die Stadt und ihre Struktur geprägt hat. Bis 1948 waren Bürgermeister, Stadtrat, Krankenhaus und auch alle Straßennamen polnisch. Das Museum ist ein "Meilenstein der Kulturgeschichte in Haren", sagt Bürgermeister Markus Honnigfort (CDU).

Jahrzehntelang gab es kein Zentralarchiv

Osteuropa-Historiker Rüdiger Ritter arbeitet mit daran, in Archiven nach Dokumente aus dieser Zeit zu recherchieren. "Masczków war - ich glaube das können wir sagen - jahrzehntelang eine Art Black Box hier in Haren", sagte Ritter. Es habe kein städtisches Archiv oder eine andere zentrale Stelle gegeben, die Quellen zu Maczków gesammelt haben. "Deshalb ist das Interesse an dem neuen Stadtmuseum groß - auch in Warschau", sagt Bürgermeister Honnigfort.

Briten quartieren 40.000 polnisch Menschen ein

1945 mussten rund 5.000 Bürgerinnen und Bürger aus Haren ihre Häuser verlassen. Stattdessen quartierte die britische Militärregierung mehr als 40.000 ehemalige polnische Kriegsgefangene, KZ-Zwangsabeiter und Soldaten - unter ihnen Frauen und Familien - in dem Ort ein und benannten die Stadt um.

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Ein Schild mit dem Ortsnamen Maczkow. © dpa Foto: Aleksandra Sekowska

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 09.03.2021 | 15:00 Uhr

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