Stand: 11.10.2018 19:32 Uhr

Moorbrand gelöscht - Aufarbeitung fängt erst an

Der Moorbrand auf einem Bundeswehrgelände bei Meppen ist gelöscht. Das sagte ein Sprecher der Bundeswehr am Mittwoch. Bilder eines Aufklärungsflugs hätten am Dienstag keine Brandnester mehr gezeigt. Der Moorbrand war am 3. September nach einem Raketentest ausgebrochen. Damit möglicherweise aufglimmende Glutnester sofort erkannt werden, will die Bundeswehr das Gelände weiterhin im Auge behalten. Rund 140 Einsatzkräfte sind noch vor Ort und kontrollieren das Moor, wie die Bundeswehr sagt. Außerdem sollen mehrmals täglich Drohnen das Gelände aus der Luft überwachen. Darüber hinaus will die Bundeswehr jetzt den kompletten Vorgang aufarbeiten, wie Bundeswehr-Kommandant Thomas Gröters sagte. In der kommenden Woche wird sich der Verteidigungsausschuss des Bundestages mit dem Moorbrand beschäftigen.

Leute vom THW bei ihrem Vehikel.

Moorbrand bei Meppen endgültig gelöscht

Hallo Niedersachsen -

Nach fünf Wochen ist der Moorbrand bei Meppen gelöscht. Jetzt will die Bundeswehr den Vorgang aufarbeiten - und ihre Kommunikation hinterfragen.

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Bundeswehr will ihr Meldewesen hinterfragen

Die Bundeswehr war vor allem wegen ihrer mangelnden Kommunikationsbereitschaft in die Kritik geraten. Als erste Konsequenz will die Bundeswehr ihr internes Meldewesen kritisch hinterfragen, wie Thomas Silberhorn, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, sagte. Im Ministerium werde derzeit aufgearbeitet, an welcher Stelle es Defizite gebe. Eine Antwort auf die Frage, warum erst zwei Wochen nach dem Ausbruch des Brandes Schadstoffwerte gemessen wurden, blieb die Bundeswehr aber auch am Mittwoch schuldig. Der Direktor des Zentrums für Brandschutz der Bundeswehr, Andreas Sagurna, räumte ein, dass am Anfang des Einsatzes einiges sehr unglücklich gelaufen sei. "Das ist das, was es am Ende zu klären gilt in der Nachbereitung."

Viele Fragen bleiben offen

Auch auf andere Fragen gibt es bis zu diesem Tag noch keine Antworten: Welche Konsequenzen hat der Brand für das Ökosystem Tinner Moor? Wer bezahlt den Löscheinsatz? Warum forderte die Bundeswehr erst zehn Tage nach dem Ausbruch des Brandes zivile Hilfskräfte an? Warum wurden bei wochenlanger extremer Trockenheit überhaupt Raketen ins Moor geschossen? Warum wurde die Gefahrenlage falsch eingeschätzt? Wer trägt die Verantwortung? Diese Frage ist vor allem für die Staatsanwaltschaft Osnabrück essenziell, die wegen des Moorbrands ermittelt.

Opposition will Klarheit und Konsequenzen

Bis alle Fragen geklärt seien, müsse die Bundeswehr ihre Tests auf dem Gelände stoppen, forderte Niedersachsens Grünen-Chefin Anne Kura. Zudem stelle sich die Frage, ob die Naturfläche überhaupt als Übungsgelände geeignet sei. Bei den Kosten für eine mögliche Renaturierung des Geländes sei das Verursacher-Prinzip anzuwenden, so Kura. Der innenpolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Jan-Christoph Oetjen, kritisierte die unterschiedlichen Angaben über Messwerte: "Es besteht nicht nur ein großes öffentliches Interesse an Informationen über die erhobenen Messwerte, sondern auch ein ganz individuelles jedes einzelnen Helfers, der vor Ort möglicherweise seine Gesundheit aufs Spiel gesetzt hat", so Oetjen am Donnerstag.

Bundeswehr: Schadstoffbelastung unterhalb der Richtwerte

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen in Niedersachsen, Anja Piel, kritisierte, dass die Bundeswehr "erst nach massivem öffentlichem Druck" Messergebnisse über die Schadstoffwerte veröffentlichte. In den vergangenen Tagen hatten Unklarheiten über Schadstoffwerte für Schlagzeilen gesorgt. Dazu bezog Barbara Schmidt vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr am Mittwoch klar Stellung: Zu keiner Zeit seien Anwohner oder Einsatzkräfte in Gefahr gewesen, sagte sie. Alle gemessenen Werte seien deutlich unter den zugrunde gelegten Richtwerten gewesen und man habe extra strengere Richtwerte angenommen, als erforderlich gewesen wären. Die Bundeswehr habe sich permanent mit dem Landkreis ausgetauscht. In den vergangenen Tagen hatte es Wirbel um ein mögliches Überschreiten der Kohlenmonoxid-Werte gegeben. Bundeswehr und Feuerwehr hatten dafür unterschiedliche Grenzwerte zugrunde gelegt.

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Verunsicherung durch Messungen von Radioaktivität

Neben den Schadstoffwerten in der Luft ließ die Bundeswehr die Umgebung nach Spuren von radioaktiver Strahlung und Quecksilber untersuchen. Zuvor hatte es Spekulationen über Waffentests mit uranhaltiger Munition gegeben. Uran-Munition sei auf dem Übungsgelände nie verschossen worden, betonte Schmidt. "Wir haben trotzdem Untersuchungen gemacht, zur Sicherheit und Transparenz." Bundeswehr-Brandchef Sagurna entschuldigte sich dafür, dass dies vermutlich zu Verunsicherung "und bei dem ein oder anderen auch zu Ängsten" geführt habe.

59 Anträge auf Schadenersatz

Unterdessen sind bei der Bundeswehr 59 Anträge auf Schadenersatz eingegangen. Die Truppe hatte Mitte September eine Schadensannahmestelle eingerichtet, bei der Bürger Schäden melden können, die durch den Brand oder die Löscharbeiten entstanden sind. Gemeldet wurden laut Bundeswehr unter anderem eine verschmutzte Sitzauflage eines Gartenstuhls, eine Photovoltaikanlage, die wegen des Rauchs nicht die erwünschte Leistung gebracht hatte und ein Mietausfall durch eine stornierte Ferienwohnung. Die Bundeswehr versprach, alle Fälle schnell zu prüfen. Die Betroffenen sollen dann das Geld innerhalb von wenigen Wochen erhalten. Auch Landwirte vor Ort meldeten etwa 30 Schadensfälle. Gemeldet werden diese beim zuständigen Landvolk, mit dem die Bundeswehr in Kontakt steht. Auch für diese Fälle sicherte die Bundeswehr zu, mithilfe eines Gutachters schnell Lösungen zu finden.

Brand fraß sich "nur" 40 Zentimeter tief ins Moor

Der Moorbrand hatte sich zwischenzeitlich nach Angaben der Bundeswehr auf einer Fläche von etwa zwei mal vier Kilometern ausgebreitet. Zwar war der oberirdische Brand bereits seit einiger Zeit gelöscht, schwierig zu löschen waren jedoch die unterirdischen Glutnester. Diese waren etwa 40 Zentimeter tief in den Torfboden eingedrungen - und damit weniger tief als zunächst befürchtet worden war, wie ein Bundeswehrsprecher am Mittwoch sagte. Teilweise waren bis zu 2.000 Helfer aus ganz Deutschland im Einsatz, um den Brand zu bekämpfen. Erst nachdem die Bundeswehr die Hilfe der zivilen Kräfte angefordert hatte, war es gelungen, den Brand unter Kontrolle zu bringen. Das Unternehmen Airbus Helicopters hatte trotz großer Trockenheit im Auftrag der Bundeswehr Raketen getestet. Die erforderlichen Löschfahrzeuge waren zu dem Zeitpunkt nicht einsatzbereit.

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Hallo Niedersachsen | 10.10.2018 | 19:30 Uhr

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