Stand: 26.05.2019 16:19 Uhr

Missbrauch: Bode wird mit Details konfrontiert

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Der katholische Bischof Franz-Josef Bode hat in Merzen seinen Besuch von Gemeinden beendet, die besonders mit Missbrauch betroffen waren. (Archivbild)

Die Gemeinde Merzen (Landkreis Osnabrück) hat den katholischen Bischof Franz-Josef Bode am Sonntag mit neuen Vorwürfen gegen den Priester Hermann H. konfrontiert. Der heute 85-Jährige soll in Merzen in den 70er- bis 90er-Jahren mehrere Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Das berichtet der Evangelische Pressedienst (epd). Ein Gemeindemitglied erzählte Bode in der St. Lambertuskirche, in die anlässlich des Bischof-Besuchs 250 Menschen gekommen waren, dass die damalige Bistumsleitung schon 1992 von den Missbrauchs-Vorwürfen gegen Hermann H. gewusst habe. Und damit nicht genug: Die Bistumsleitung habe damals die Anweisung gegeben, die Vorwürfe nicht anzuzeigen und nicht öffentlich zu machen, wie der Mann weiter sagte.

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Bode: Gespräche wurden nicht protokolliert

Vor 2002 habe die katholische Kirche in solchen und vergleichbaren Fällen häufig so gehandelt, räumte Bischof Bode ein. Die Gespräche aus dem Jahr 1992 seien offenbar nicht protokolliert worden. Bode gab an, von ihnen nichts gewusst zu haben. Das Gemeindemitglied, das die Vorwürfe vortrug, berichtete außerdem, dass er und seine Frau mit ihren Vorwürfen nicht ernst genommen worden seien. Weil sie versucht hätten, diese öffentlich zu machen, seien sie in der Gemeinde sogar ausgegrenzt und bedroht worden. Eine andere Frau berichtete, dass der Pfarrer sie selbst und andere Kinder und Jugendliche heimlich auf Zeltlagern und in Badeanstalten gefilmt habe.

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Entlassung aus Klerikerstand beantragt

Anfang Dezember hatten sich drei Opfer des Priesters beim Bistum gemeldet, später offenbarten sich weitere Opfer aus Merzen und anderen Gemeinden im Emsland, in denen der Priester tätig war. Bischof Bode, der seit 1996 im Amt ist, hatte Hermann H. bereits 1997 aufgrund von Gerüchten in den vorzeitigen Ruhestand versetzt, wie epd berichtet. Im Dezember 2018 untersagte Bode dem Priester alle öffentlichen Auftritte und liturgischen Handlungen. Zudem verbot Bode Hermann H., seine frühere Gemeinde in Merzen aufzusuchen. Außerdem darf der Priester in dem Ort nicht bestattet werden. Ein Antrag in Rom, dass Hermann H. aus dem Klerikerstand enthoben wird, könnte laut Bode in den kommenden Tagen entschieden werden.

Vorwurf: Bistum hat Gerüchte nicht ernst genommen

In einer anonymen Stellungnahme warfen Merzener Gemeindemitglieder der früheren Bistumsleitung und auch Bischof Bode vor, die Gerüchte um den sexuellen Missbrauch durch Pfarrer H. nicht ernst genommen zu haben. Der Priester sei wider besseren Wissens in andere Gemeinden versetzt worden. Dadurch habe man "weitere Opfer ins offene Messer laufenlassen". Bode sagte dazu, dass aus den noch vorhandenen Akten nicht ersichtlich sei, dass seinen Vorgängern die Missbrauchsfälle im Emsland bekannt gewesen seien. Hermann H. sei wohl nicht aus diesem Grund dreimal versetzt worden. "Das ist alles erst jetzt zutage getreten", so Bode. Aus heutiger Sicht sei es aber ein Fehler gewesen, Hermann H. 1997 nur in den vorzeitigen Ruhestand zu versetzen. Der Besuch in Merzen bildete den Abschluss von Bodes Reise zu den Gemeinden, die von Missbrauchsfällen besonders betroffen waren oder sind.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.05.2019 | 15:00 Uhr

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