Ein Koran auf Koranständer und einem Gebetsteppich in einer Moschee. © NDR Foto: Julius Matuschik

Islamkolleg setzt auf weiteren Rückenwind aus Berlin

Stand: 11.11.2020 07:24 Uhr

Das bislang einmalige Islamkolleg Deutschland in Osnabrück erhält vom Land und Bund Zuschüsse für die Imamausbildung. Der Vorsitzende hatte zudem Unterstützung aus Berlin gefordert.

"Ich erwarte, dass das Projekt von höchster Stelle, also von Bundesinnenminister Horst Seehofer ausdrücklich begrüßt wird", sagte Esnaf Begić dem Evangelischen Pressedienst (epd) im Vorfeld der Deuschen Islamkonferenz (DIK). Das Islamkolleg Deutschland (IKD) solle sich als ständige Ausbildungseinrichtung etablieren. Dessen Name sei bewusst gewählt worden, weil die angehenden Geistlichen nur in deutscher Sprache und auf die deutsche Lebenswirklichkeit bezogen ausgebildet würden. Das sei Alleinstellungsmerkmal, sagte Begić, der am Institut für Islamische Theologie der Universität Osnabrück lehrt. Die Absolventen könnten als Imame, Seelsorger beziehungsweise Gemeindepädagogen arbeiten.

Seehofer: Islamkolleg leistet wichtigen Beitrag

Bundesinnnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte, er sehe die Ausbildung von Imamen in Deutschland auf einem guten Weg. Zum Auftakt der DIK-Online-Tagung zur Ausbildung religiösen Personals islamischer Gemeinden hob Seehofer zugleich das Engagement von Muslimen hervor. "Sie leisten einen unheimlich wichtigen Dienst für unser Land und ihre Heimat", betonte er. Mit Blick auf das Islamkolleg sprach der Minister von einem "wichtigen Schritt", zumal die Initiative bewusst auf eine Finanzierung aus dem Ausland verzichte. Dies sei ein "wichtiger Beitrag", damit die Gemeinden und auch ihre Religion "noch heimischer werden".

Bund stellt Millionenbetrag bereit, Land 450.000 Euro

Das Bundesinnenministerium plane, das Islamkolleg mit jährlich rund einer Million Euro zu fördern, wie ein Sprecher am Dienstag dem epd sagte. Das niedersächsische Wissenschaftsministerium wolle den Aufbau in den kommenden fünf Jahren mit einer "Anschubfinanzierung" von insgesamt 450.000 Euro unterstützen, wie eine Behördensprecherin bestätigte. Zuerst hatte die "Neue Osnabrücker Zeitung" darüber berichtet. Das Ministerium halte es "für richtig und wichtig, dass deutschsprachige und kulturell in Deutschland beheimatete Imame in den Moscheegemeinden tätig werden", so die Sprecherin weiter. Von den Geldern will das Islamkolleg Begić zufolge insgesamt zehn Referentenstellen bezahlen.

Referenten erarbeiten aktuell Lehrpläne

Die Ausbildung am Islamkolleg soll im April beginnen. Geplant sei, jährlich 20 bis 30 Studierende aufzunehmen, wie Begic sagte. Zugangsvoraussetzung sei ein Bachelor-Abschluss in islamischer Theologie. Die Referenten erarbeiteten derzeit Lehrpläne und Arbeitsmaterialien für die sieben Lehrbereiche wie Seelsorge, Predigtlehre und soziale Arbeit. Mittlerweile seien mehr als 30 Bewerbungen aus ganz Deutschland und aus der Schweiz eingegangen.

Mehrere muslimische Verbände unterstützen Projekt

Hinter dem Kolleg stehen unter anderem der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD), die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken und der Zentralrat der Marokkaner. Eine solche Aus- und Weiterbildung wirke präventiv gegen extremistisches Gedankengut, sagte der ZDM-Vorsitzende Aiman Mazyek.

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Die deutsche Flagge weht an einem Minarett der Zentrum Moschee im schleswig-holsteinischen Rendsburg. © dpa Foto: Carsten Rehder

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Die Ausbildung steht Männern und Frauen offen. Der erste Jahrgang soll mit 30 Teilnehmenden beginnen. (27.10.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

Regional Osnabrück | 10.11.2020 | 17:00 Uhr

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