Stand: 25.02.2020 11:01 Uhr

Grüne Landrätin beklagt: S-Pedelec im Zug verboten

Ein Radfahrer mit Fahrradhelm kniet neben einem S-Pedelec, das ein Kfz-Kennzeichen trägt. © dpa/picture-alliance Foto: Zacharie Scheurer
S-Pedelecs müssen ein Versicherungszeichen haben. Der Fahrer benötigt außerdem einen Führerschein. In den Zug dürfen diese E-Bikes nicht.

Es sollte eigentlich ein Zeichen sein, dass Mobilität auf dem Land auch ohne Auto funktioniert - doch diese Rechnung hatte die neue grüne Landrätin Anna Kebschull ohne die Nordwestbahn gemacht. Mit Elektrofahrrad und Zug wollte sie von ihrem Wohnort Bad Rothenfelde (Landkreis Osnabrück) zur Arbeit nach Osnabrück fahren. Doch das umweltfreundliche Vorhaben scheiterte schlicht an den Transportbestimmungen für den Niedersächsischen Nahverkehr. Denn bei dem E-Bike der Landrätin handelt es sich um ein sogenanntes S-Pedelec, das bis zu 45 km/h schnell ist und ein Versicherungskennzeichen trägt. Und genau diese E-Bikes sind laut den allgemeinen Beförderungsbedingungen der Nordwestbahn im Zug nicht erlaubt. "Mopeds, Mofas oder versicherungspflichtige elektrohilfsmotorisierte Fahrräder sind von der Mitnahme ausgeschlossen", heißt es da. Eine Zugbegleiterin wies Kebschull und ihr Rad deshalb in einem Osnabrücker Vorortbahnhof aus dem Zug.

"Kleinkrafträder" dürfen nicht mit in die Bahn

Rechtlich gelten die schnelleren Pedelecs als Kleinkrafträder, erläutert der Sprecher der Nordwestbahn, Steffen Högemann. Das gelte zum Beispiel auch für Elektro-Rollstühle. Eine Ausnahme sind die neuen E-Scooter - sie dürfen mitfahren. Ebenso E-Bikes mit Motorunterstützung bis Tempo 25, sie werden wie herkömmliche Fahrräder behandelt und dürfen mit in den Zug. Für alle erlaubten Zweiräder gilt allerdings: Sie werden nur transportiert, solange nicht gleichzeitig Rollstuhlfahrer und Kinderwagen mitgenommen werden müssen, so Sprecher Högemann.

Werden die Bestimmungen geändert?

Aber warum darf nun das schnellere, versicherungspflichtige S-Pedelec nicht in der Bahn mitgenommen werden? Die ursprünglichen S-Pedelecs seien deutlich größer und schwerer gewesen als die etwas langsameren, so Thilo Knoblich von der Niedersachsentarif GmbH, in der die niedersächsischen Eisenbahn-Nahverkehrsunternehmen organisiert sind. Möglicherweise würden die Bestimmungen geändert. Ein Thema sei das bislang aber nicht, sagt Knoblich.

 

Was darf im Nahverkehr mit in den Zug?

  • Die Mitnahme von versicherungspflichtigen E-Bikes, sogenannten S-Pedelecs, ist ausgeschlossen.
  • Erlaubt sind: Fahrräder, Tandems, Dreiräder, E-Bikes bis 250 Watt sowie Tretroller (mit und ohne Elektrohilfsmotor) - in den entsprechend gekennzeichneten Wagen und Bereichen. Die Beförderung kann bei Platzmangel abgelehnt werden, insbesondere dann, wenn Fahrgäste mit Kindern im Kinderwagen und Rollstuhlfahrer den Platz benötigen. Das gilt auch für den Ersatzverkehr mit Bussen. In Zweifelsfällen entscheidet das Zugpersonal.
  • Jeder Fahrgast darf nur ein Fortbewegungsmittel mitnehmen.
  • Fahrradanhänger sind ebenfalls erlaubt - müssen aber zusammengeklappt werden.
  • Falträder oder Falt-Pedelecs können im ausgeklappten Zustand als Fahrrad oder Pedelec, im zusammengeklappten Zustand als Gepäckstück mitgenommen werden.
  • Nicht transportiert werden Lastenräder.

Kebschull will sich ans Verkehrsministerium wenden

"Mein S-Pedelec ist nicht größer oder schwerer als ein normales Pedelec", sagt Landrätin Kebschull. Gerade auf dem Land sei die Möglichkeit wichtig, E-Fahrräder mit der Bahn zu kombinieren, um aufs Auto verzichten zu können. "Wenn wir die Verkehrswende wollen, ist das total kontraproduktiv." Die grüne Landrätin will sich nun womöglich direkt an das Bundesverkehrsministerium wenden.

Niedersachsens Nahverkehr erlaubt keine S-Pedelecs

Das Transportverbot für S-Pedelecs gilt übrigens auf allen niedersächsischen Bahn-Nahverkehrsstrecken und damit auch für die Deutsche Bahn, sie erlaubt gemäß ihren Beförderungesbedingungen ebenfalls nur die Mitnahme von Fahrrädern "mit Elektromotor bis 250 Watt". Je nach Bundesland ist das unterschiedlichlich geregelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 25.02.2020 | 13:30 Uhr

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