Friseur Gunnar Ewers in seinem Salon in Meppen. © NDR Foto: Hedwig Ahrens

Friseur-Handwerk: Lockdown verlockt zu illegalem Haarschnitt

Stand: 20.01.2021 14:35 Uhr

Die Friseur-Geschäfte sind im Lockdown schon seit Wochen geschlossen. Verzweifelte Kunden wenden sich trotzdem hilfesuchend an ihren Friseur - und machen ihm schon mal ein Angebot zur Schwarzarbeit.

Egal ob zu langer Pony oder herausgewachsener Ansatz - wer das nicht gut aushalten kann, bietet teilweise viel Geld an, damit der Fachmann nach Hause kommt und die Haare wieder in Form und Farbe bringt. Friseur Obermeister Gunnar Ewers betreibt seit 27 Jahren einen eigenen Friseursalon in Meppen. Wegen der Corona-Pandemie ist sein Laden stillgelegt, fünf Angestellte sind in Kurzarbeit.

Diesmal noch keine Corona-Hilfen geflossen

Für den aktuellen Lockdown hat Ewers noch keine Corona Hilfen bekommen - er lebt vom Ersparten. Und erlebt verzweifelte Kunden, die ihn und seine Mitarbeiterinnen mit Geld zu einem illegalen Haarschnitt überreden wollen. "Im Grunde genommen ist das schon so ein Bestechungsversuch", findet er, "so durch die Hintertür." Er bekomme Anrufe, bei denen der Kunde dem Friseur vorschlage, einen Hausbesuch zu machen. "Ich gebe ihnen auch 100 Euro oben drauf", sei da zum Beispiel in Aussicht gestellt worden, erzählt Ewers. "Was ich natürlich verneint habe", betont er. Denn: "Wenn wir den Virus von Haustür zu Haustür tragen, ist keinem geholfen." Außerdem sei das verboten.

Die Haarfarbe kommt zur Haustür

Ewers versucht trotzdem, behilflich zu sein. Wenn zum Beispiel nachgefärbt werden muss. "Dann mache ich die Farbe fertig und bringe sie auch zu den Kunden hin." Die entsprechenden Hinweise zur Anwendung gibt es dazu. Das habe bis jetzt immer ganz gut geklappt, sagt er. Wenn sein Laden wieder öffnen darf, wird Friseur Ewers wohl dennoch so einige Farb-Unfälle und verunglückte Heim-Haarschnitte korrigieren müssen.

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Regional | 20.01.2021 | 15:00 Uhr

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