Corona: Mäster beklagen Schweinestau in Schlachthöfen

Stand: 05.10.2020 09:11 Uhr

Die Corona-Fälle auf Schlachthöfen machen den Mästern zu schaffen. Sie werden ihre Tier nicht los und leiden zudem unter dem massiven Preisverfall.

Die Landwirte befänden sich in einer Notlage, beklagt die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Damme (Landkreis Vechta). Es würden derzeit rund 50.000 Schweine pro Woche zu wenig geschlachtet. Der Stau setze sich bis in die Ferkelställe fort, heißt es. Es drohe ein Infarkt der Lieferkette. Die Landwirte müssten erhebliche Einnahmeverluste hinnehmen. Erschwerend hinzu kommt der Preisverfall beim Schweinefleisch: Aktuell bekommen die Mäster nur 1,27 Euro pro Kilogramm. Ende 2019 hatte der Preis vor allem wegen der hohen Nachfrage aus China noch bei durchschnittlich rund zwei Euro gelegen.

Ministerium sucht nach Lösungen

Wegen der schwierigen Situation fordern die Landwirte eine Schlachterlaubnis für Feiertage. In Nordrhein-Westfalen wurde diese für den 3. Oktober erteilt. Branchenführer Tönnies sieht darin nicht die Lösung des Problems. Die Schlachtung am Feiertag sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte ein Unternehmenssprecher. Notwendig sei wieder eine langsame Steigerung der Schlachtmengen unter Beachtung des Arbeitsschutzes. Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium will heute prüfen, ob und wie Schlachtkapazitäten erhöht werden können. "Wir kennen das Problem und suchen nach Lösungen, aber so kurzfristig ist das nicht umsetzbar", sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Schlachtzahlen um 40 Prozent reduziert

Wegen der 36 Corona-Fälle auf dem Tönnies-Schlachthof in Sögel werden dort täglich alle rund 1.500 Mitarbeiter getestet. Die Schlachtzahlen wurden um 40 Prozent reduziert - was die Lage der Schweinehalter in der Region abermals verschlechtert. Auch im größten Tönnies-Schlachthof in Rheda-Wiedenbrück (Nordrhein-Westfalen) wird nur mit 75 Prozent der normalen Kapazität produziert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.10.2020 | 12:00 Uhr

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