Stand: 08.09.2017 19:29 Uhr

Asli Erdogan kann Friedenspreis entgegennehmen

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Asli Erdogan hat in der Türkei ihren Reisepass zurückerhalten. (Archivbild)

Zur Verleihung des Osnabrücker Friedenspreises am 22. September kommt ein Gast, mit dem man nicht mehr gerechnet hatte: Asli Erdogan, regimekritische türkische Autorin und Journalistin, darf überraschend aus der Türkei ausreisen. Sie ist dort wegen Terrorvorwürfen angeklagt. Wie die Stadt Osnabrück am Freitag mitteilte, hat Erdogan nun unerwartet ihren Reisepass zurückerhalten.

Hat offener Brief an Präsidenten gewirkt?

Die Veranstalter seien hoch erfreut, sagte ein Sprecher der Stadt. Erst am Donnerstag hatten die Stadt Osnabrück, die Jury des Friedenspreises und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gemeinsam einen Brief an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan veröffentlicht. In dem Schreiben baten sie um die Rückgabe des Reisepasses an die künftige Friedenspreis-Trägerin - nur einen Tag später ist dieses Ziel nun tatsächlich erreicht.

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Essay-Sammlung in der Türkei verboten

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis ist mit 25.000 Euro dotiert. Asli Erdogan bekommt ihn für ihr schriftstellerisches und journalistisches Wirken, insbesondere für die Essay-Sammlung "Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch". In der Türkei darf die Sammlung nicht veröffentlicht werden. In ihren Texten lasse Erdogan den Leser die Grausamkeiten und Erniedrigungen des Regimes nach dem Putschversuch sowie den Schmerz der Opfer nahezu körperlich spüren, sagte der Jury-Vorsitzende, Universitätspräsident Wolfgang Lücke, im Mai. "Das Buch ist manchmal schwer zu ertragen", so Lücke. Es gehe der Jury auch darum, ein Zeichen zu setzen für die Unantastbarkeit der freien Berichterstattung und die Notwendigkeit unzensierter Veröffentlichungen.

Der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis erinnert an den Osnabrücker Schriftsteller, der mit dem 1929 veröffentlichten Kriegsroman "Im Westen nichts Neues" Weltruhm erlangte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 08.09.2017 | 15:30 Uhr

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