VIDEO: "MSC Zoe": Alles richtig machen reicht nicht aus (3 Min)

Zwei Jahre nach MSC-"Zoe"-Havarie: Konsequenzen gefordert

Stand: 02.01.2021 15:32 Uhr

Zwei Jahre nach der Havarie der MSC "Zoe" am 2. Januar 2019 fordert die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, dass große Containerschiffe nicht so dicht an der Küste fahren dürfen.

In Abstimmung mit den Niederlanden müsse die internationale Großcontainer-Schifffahrt angewiesen werden, zumindest bei Sturm die Deutsche Bucht auf deutlich küstenferneren Fahrwassern anzusteuern, fordert die Schutzgemeinschaft, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Auf den küstennahen Routen - in Sichtweite der Ostfriesischen Inseln - drohe Gefahr. Die Containerriesen könnten sogar den Grund berühren, heißt es. "Wir erwarten da endlich eine Reaktion", sagte Borkums Bürgermeister Jürgen Akkermann (parteilos) der Deutschen Presse-Agentur (dpa). In Abstimmung mit dem Wattenmeer Nationalpark-Beirat will sich die Insel daher an das Bundesverkehrsministerium wenden.

Außer Ankündigungen nichts passiert?

Außer Appellen und Ankündigungen sei in den vergangenen Jahren kaum etwas passiert, betonte auch die Leeraner Landtagsabgeordnete Meta Janssen-Kucz (Grüne). "Umfassende Maßnahmen wurden von Landes- und Bundesregierung und der International Maritime Organisation nicht auf den Weg gebracht, weiter wird auf das Prinzip Hoffnung gesetzt", sagte sie.

Wagner: Nur eine Frage der Zeit, bis es wieder passiert

Unter besonderen Wind-, Wellen- und Tideverhältnissen können große Schiffe wie die MSC "Zoe" "ins Rollen" geraten. Die Folge war Anfang Januar 2019, dass mehr als 340 Container über Bord gingen. Es sei wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis das wieder passiere, so der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, Gerd-Christian Wagner. Er fordert von den Verantwortlichen in der Bundesregierung und den Küstenländern jetzt schnelles Handeln. "Die Jahre gehen seit dem riesigen Containerverlust der MSC 'Zoe' ins Land und für unsere Nordseeküste ist noch immer kein höheres Maß an Sicherheit in Sicht", so Wagner.

Auch Experten empfehlen andere Routen

Küstenländer wie die Niederlande und Deutschland könnten zum Schutz eines besonders empfindlichen Seegebietes, wie dem Wattenmeer, eine zwingende Verkehrsführung für große Containerschiffe anordnen, sagte Wagner. Dies werde auch von Havarie-Experten empfohlen. Die politische Initiative sei bisher aber nicht ergriffen worden. Konkrete Schritte für eine höhere Sicherheit der Nordsee-Küstenbewohner vor Havarien ließen immer noch auf sich warten, so die Kritik.

Ministerium rechtfertigt sich

Das Bundesverkehrsministerium teilte mit, dass Experten einzelne Sicherheitsempfehlungen aus dem Untersuchungsbericht, etwa zur Ladungssicherung, noch prüften. Andere Maßnahmen, wie etwa der Versand von Sturm-Warnmeldungen an Schiffe, seien dagegen schon auf den Weg gebracht worden. Fragen zur Verkehrswegeführung seien komplex und würden in Fachgruppen diskutiert, hieß es.

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Ferenc John, Untersuchungsverantwortlicher der BSU (Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung ) hält auf einem Pressetermin einen Vortrag. Er zeigt etwas auf einer Präsentationsfolie. © dpa Bildfunk Foto: Jonas Klüter

Abschlussbericht: "MSC Zoe" ist ins Rollen geraten

Der Abschlussbericht zur Havarie der "MSC Zoe" liegt vor: Das Containerschiff ist demnach vor Borkum im Sturm ins Rollen geraten. Korrekt gesicherte Container sind dabei über Bord gegangen. (26.06.2020) mehr

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Aktuell | 31.12.2020 | 15:00 Uhr

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