UNESCO warnt: Welterbe-Status des Wattenmeers in Gefahr

Stand: 21.09.2023 10:28 Uhr

Deutschland soll alle neuen Förderpläne für Gas und Öl in der Nordsee stoppen: Die Rohstoffgewinnung sei mit dem Welterbe-Status des Wattenmeers unvereinbar, teilte die UNESCO mit.

Die Welterbe-Kommission der Vereinten Nationen ermahnte auf ihrer Sitzung im saudischen Riad Deutschland und die Niederlande, keine Probebohrungen und weitere Projekte voranzutreiben, die das Ziel haben, Gas, Öl oder Salz zu fördern und zu gewinnen. Zudem müssten bei der Anlage neuer Stromleitungen zu Offshore-Windparks Maßnahmen zum Schutz des Wattenmeers getroffen werden. In Niedersachsen kritisiert die UNESCO vor allem die Gasförderprojekte vor der Emsmündung und der Insel Borkum.

Wattenmeer noch nicht auf Streichliste der UNESCO

Der Welterbe-Status sei so etwas wie eine Goldmedaille, sagt Sascha Klöpper vom Wattenmeersekretariat in Wilhelmshaven dem NDR Niedersachsen dazu. Ein Wegfall wäre eine Blamage. Noch sei man aber nicht akut gefährdet und stehe nicht auf einer entsprechenden Liste. Man habe Zeit bis Februar, der UNESCO Informationen zur wirtschaftlichen Nutzung und den Folgen zu liefern.

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Sollte das Wattenmeer den Status Welterbe tatsächlich verlieren, würde nicht nur ein wertvolles Siegel wegfallen. Umweltschützende rechnen auch damit, dass das Wattenmeer dann noch stärker wirtschaftlich genutzt wird - mit negativen Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Die Deutsche Umwelthilfe hat nach der Unesco-Stellungnahme den sofortigen Stopp von umwelt- und klimaschädlichen Projekten im Wattenmeer gefordert. "Eine weltweit einzigartige Landschaft gerät unter die Füße der fossilen Lobby und die zuständigen Regierungen schauen tatenlos zu", sagte DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner. Frank Petersen, Sprecher der "Waddenvereniging", sagte, dass neue Bergbauprojekte zur fortschreitenden Absenkung des Meeresbodens beitrügen und die Nutzung fossiler Brennstoffe den fortschreitenden Klimawandel und den Anstieg der Meeresspiegel verstärkten.

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Hallo Niedersachsen | 20.09.2023 | 19:30 Uhr

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