Tod von Qosay K. : Anwältin der Familie fordert Aufklärung

Stand: 20.04.2021 09:55 Uhr

Nach dem Tod des 19-jährigen Qosay K. nach einem Polizeieinsatz in Delmenhorst hat die Anwältin der Familie lückenlose Aufklärung gefordert. Sie wirft der Polizei mangelndes Interesse daran vor.

"Der Tod ist durch einen sauerstoffmangelbedingten Schockzustand eingetreten", sagte Lea Voigt, sie vertritt die Familie des Toten. Was den Sauerstoffmangel auslöste, könne möglicherweise auch die Obduktion nicht klären, so Voigt. Es sei Aufgabe der Polizei und der Staatsanwaltschaft die vielen offenen Fragen zu klären. "Rennen, Panik, Fixierung, Pfefferspray, Bauchlage - wie haben diese Faktoren gewirkt?" Das müsse beantwortet werden, so Voigt. Sie kritisierte, dass Polizei und Rettungsdienst direkt öffentlich von einem Unglücksfall sprachen, obwohl die Hintergründe völlig unklar waren. "Das lässt auf eine bestimmte Haltung, auf einen Mangel an Fehlerkultur und Aufklärungsinteresse schließen."

In der vergangenen Woche hatte die Staatsanwaltschaft Details zum Tod des 19-Jährigen öffentlich gemacht und war damit Vorwürfen entgegen getreten, der junge Mann wäre bei der Festnahme verletzt beziehungsweise in der Folge mangelhaft medizinisch versorgt worden.

Qosay K. stirbt nach Polizeigewahrsam

Delmenhorst: "Ruhe in Frieden" steht im Gedenken an einen verstorbenen 19-Jährigen auf einer Bank im Wollepark. © dpa-bildfunk Foto: Sina Schuldt
Der Tod des 19-Jährigen ist noch längst nicht aufgeklärt.

Der 19-Jährige war bei einer Drogenkontrolle am 5. März vor zwei Zivilpolizisten zunächst geflüchtet und kurz danach gestellt worden. Dabei soll es zu einem Handgemenge gekommen sein. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Ob sich Qosay K. von den herbeigerufenen Sanitätern behandeln lassen wollte oder nicht, ist strittig. Anschließend wurde er zur Blutentnahme auf die Delmenhorster Polizeiwache gebracht, wo er in der Gewahrsamszelle kollabierte. Der Notarzt ordnete dann den Transport in ein Krankenhaus in Oldenburg an. Dort starb der junge Mann am nächsten Tag.

Bisher keine Hinweise auf Fremdverschulden

Die Familie von Qosay K. hat Strafanzeige gegen sämtliche an dem Einsatz beteiligte Polizisten und Rettungskräfte erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der unterlassenen Hilfeleistung. Bislang haben sich, so die Ermittlungsbehörde, aber keine belastbaren Hinweise darauf ergeben, dass der Tod des jungen Mannes fremdverursacht war.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.04.2021 | 15:00 Uhr

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