Stand: 09.10.2018 18:05 Uhr

Tietjensee: Schwierige Suche im Morast

Der 260 Meter lange Tietjensee in Schwanewede im Landkreis Osterholz ist endlich leer, nur noch wenige schlammige Pfützen sind übrig. Rund 35 Millionen Liter Wasser wurden aus dem See gepumpt und in die nahe Weser geleitet, knapp eine halbe Tonne Fische gefangen und umgesetzt. Der See ist mit Sichtschutzgittern umstellt und wird rund um die Uhr bewacht - zur Vorbeugung gegen unbefugte Beweisentnahme. Ob sich in dem Morast Beweismittel finden werden, bleibt abzuwarten.

Was findet sich im Morast?

Auf dem Grund des Sees will die Polizei nach etwaigen Beweismitteln und Überresten der seit 25 Jahren vermissten Jutta Fuchs aus Bremen suchen. Seit diesem August läuft am Landgericht Bremen der Prozess gegen den ehemaligen Lebensgefährten der Vermissten. Er wird verdächtigt, die Frau getötet zu haben. Konkret gesucht wird eine Pistole, die dem Vater des Angeklagten gehört, aber schon zwei Jahre vor dem Verschwinden der Frau angeblich gestohlen worden sein soll.

Internationale Experten helfen bei der Suche

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Drei Tage lang liefen die Pumpen am Tietjensee.

"Die Kollegen vom THW haben den See drei Tage lang abgepumpt", sagt Nils Matthiesen, Sprecher der Polizei Bremen, "jetzt haben wir 30 Zentimeter Schlammschicht." Diese Schicht und was darunter liegt gelte es nun nach Beweismitteln zu durchsuchen, so der Sprecher weiter. Die federführende Mordkommission hatte sich Hilfe von Experten aus dem In- und Ausland geholt. "Einen solchen See pumpt man nicht alle Tage aus, und in so einem Morast sucht man auch nicht alle Tage nach Beweismitteln." Aber Matthiesen erinnert daran: "Die technischen Möglichkeiten sind heute ganz andere als vor 25 Jahren."

Letzte Chance für Beweise

Stichhaltige Beweise für die Schuld des Mannes fehlen jedoch bislang. Für die Staatsanwaltschaft ist es die wohl letzte Chance, in dem Mordprozess gegen den 58-Jährigen einen stichhaltigen Beweis zu liefern. Beim Durchsuchen seines Autos hatten Leichenspürhunde angeschlagen. Ob das reicht, um den Mann des Mordes zu überführen, ist fraglich. Der Fund der Leiche, einer möglichen Tatwaffe oder weiterer Beweismittel würden den Prozess, der am 17. Oktober weitergeht, unmittelbar beeinflussen. Der Mann könnte sonst Ende November vom Landgericht Bremen freigesprochen werden.

"Aufwand und Kosten sind gerechtfertigt"

Kosten und Aufwand seien immens, aber gerechtfertigt, da sind sich Polizei und Justiz einig. Schließlich sei die weitestmögliche Aufklärung von Verbrechen gesetzlicher Auftrag. Und: "Wir sind es auch den Angehörigen und den Freunden des Opfers schuldig", betont Polizeisprecher Matthiesen. Sterbliche Überreste könnte man finden, sagt Gunnar Isenberg, Sprecher des Landgerichts Bremen, möglicherweise auch eine Tatwaffe. "Wir hoffen schon, dass, wenn mal was im See gelandet ist, wir das finden und verwerten können", so Isenberg weiter. Rechtsmedizinern zufolge ist es gut möglich, dass auch nach 25 Jahren noch Knochen im See gefunden werden können. Sollte die Leiche in ein Fass verpackt oder einem Plastiksack versenkt worden sein, seien die Chancen noch größer.

Tüte mit Schminksachen und Ring im Tietjensee gefunden

Unmittelbar vor ihrem Verschwinden im Juni 1993 wollte die junge Mutter Jutta Fuchs vermutlich ihren Lebensgefährten verlassen. Ein Jahr später fanden Angler im Tietjensee eine Tüte der Frau mit ihren Schminksachen, ihrem Verlobungsring und Zahnpasta. Im Visier haben die Ermittler seitdem den heute 58-jährigen ehemaligen Lebensgefährten. Der Mann bestreitet die Tat.

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Beweise im See? Tietjensee wird abgepumpt

Die Polizei will im Tietjensee im Landkreis Osterholz nach Überresten der seit 25 Jahren vermissten Jutta Fuchs suchen. Dafür wurde der See komplett leergepumpt. (06.10.18) Bildergalerie

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Auf der Suche nach Spuren der verschwundenen Jutta Fuchs lässt die Staatsanwaltschaft den Tietjensee in Schwanewede leer pumpen. Die Frau wurde vermutlich vor 25 Jahren getötet. (25.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 09.10.2018 | 18:00 Uhr

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