Sturmtief "Nadia": Tausende Feuerwehreinsätze am Wochenende

Stand: 31.01.2022 15:16 Uhr

Ein arbeitsreiches und stürmisches Wochenende liegt hinter den Einsatzkräften im Norden. Das Sturmtief "Nadia" sorgte für Tausende Polizei- und Feuerwehreinsätze. Bäume kippten auf Häuser, Autos und Bahngleise.

Auf Usedom sowie in Velgast und um Grimmen (Landkreis Vorpommern-Rügen) meldeten Hörer von NDR 1 Radio MV am Morgen noch immer zahlreiche Haushalte ohne Strom. Bis in den frühen Montagmorgen galt für die Ostseeküste eine Sturmflutwarnung des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (NSH). In Wismar wurden in Hafennähe einige Straßen überschwemmt. Auch in Flensburg stieg das Wasser in der vergangenen Nacht nach Angaben des BSH auf 1,49 Meter über den mittleren Wasserstand. Dort wurden, ebenso wie in Lübeck, wo das Wasser auf 1,40 Meter stieg, unter anderem Straßen und Parkplätze überschwemmt. Wegen größerer Sturmschäden hat die Stadt Neubrandenburg zudem von Besuchen auf den Friedhöfen abgeraten. Dort seien etwa 40 Bäume umgestürzt.

Viele Unfälle und umstürzende Bäume

Bereits am Sonnabend und in der Nacht zu Sonntag hatte "Nadia" für erhebliche Schäden im ganzen Norden gesorgt. Allein im Bereich Oldenburg (Niedersachsen) zählte die Polizei insgesamt 19 Unfälle, drei Menschen wurden leicht verletzt. Insgesamt verzeichneten die Beamten rund 100 Einsätze wegen des Sturms. In Bunnen (Landkreis Cloppenburg) übersah eine 19-Jährige einen umgestürzten Baum. Sie fuhr dagegen und wurde leicht verletzt. In den Landkreisen Hildesheim und Goslar kippten Bäume direkt vor zwei Autos. Ein 64-Jähriger und eine 27-Jährige konnten nicht mehr rechtzeitig bremsen, blieben laut Polizei aber unverletzt. Im Landkreis Rotenburg (Wümme) stürzte ein Baum auf einen Zug - auch hier wurde niemand verletzt.

Sturmflut spült tonnenweise Sand ins Meer

Auf der Ostfriesischen Insel Langeoog wurde der Strand von der Sturmflut beschädigt. Es sei erneut viel Sand weggespült worden, so Bürgermeisterin Heike Horn. Für die Insel bestehe aber keine Gefahr. Erst vor zwei Jahren war der Strand dort für mehrere Hunderttausend Euro aufgespült worden. Auch auf Wangerooge wurden große Teile des Strands weggerissen. In Wilhelmshaven haben nach Angaben der Einsatzkräfte Deich und Deichtore gehalten. Lediglich ein Weg vor dem Deich sei komplett überschwemmt, hieß es.

Bahn: Massive Probleme im Regional- und Fernverkehr

Das Sturmfeld selbst zog laut Deutschem Wetterdienst (DWD) seit Sonntagvormittag langsam ab. Seine Unwetterwarnung für Norddeutschland hob der DWD daher am späten Vormittag auf. Am Samstagabend und in der Nacht zu Sonntag hatte "Nadia" dagegen fast überall im Norden für Probleme gesorgt. Die Deutsche Bahn hatte den Fernverkehr in Norddeutschland am Samstagabend vorübergehend komplett eingestellt. Mittlerweile meldet die Bahn keine Störungen mehr aufgrund des Sturms.

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Manövrierunfähiger Frachter vor der ostfriesischen Küste

Eine weitere Havarie ereignete sich in Niedersachsen: Rund 30 Kilometer vor der ostfriesischen Küste trieb ein unbeladener Frachter mehrere Stunden im Meer. Die Maschine der 190 Meter langen "Vienna" sei zu schwach gewesen, bei Sturm und schwerer See zu manövrieren, hieß es vom Havariekommando in Cuxhaven. Daher wurden unter anderem Notschlepper zu dem Havaristen entsandt. Das Sturmtief habe den Einsatz erheblich erschwert: Auch am Sonntagmorgen seien die Wellen fünf bis sechs Meter hoch gewesen. Nach etwa sechs Stunden sei der Frachter gesichert gewesen, so ein Sprecher des Havariekommandos. Die 24 Crewmitglieder blieben unverletzt. Auch der Frachter wurde nicht beschädigt.

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NDR Info | Aktuell | 30.01.2022 | 21:00 Uhr

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