Stand: 12.11.2018 19:30 Uhr

Skandal-Schlachthof lässt Betrieb vorerst ruhen

Nach dem Skandal um mutmaßliche Tierschutzverstöße lässt der Oldenburger Schlachthof Standard-Fleisch KG den Betrieb vorerst ruhen. Das bestätigte der Sprecher der Stadt Oldenburg, Reinhard Schenke, auf Nachfrage von NDR.de. Eine Schließungsverfügung der Stadt oder des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) habe es aber nicht gegeben. Unabhängig vom ruhenden Betrieb werde weiter geprüft, ob es Verstöße gegeben habe.

Aufnahme von einem Rind, welches gequält wurde

Schlachthof-Skandal: Veterinäre involviert?

Hallo Niedersachsen -

Bei den Tierschutzverstößen auf einem Oldenburger Schlachthof könnten auch Veterinäre involviert gewesen sein - das zeigen Videoaufnahmen des Deutschen Tierschutzbüros.

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Waren Veterinäre direkt beteiligt?

Schenke bestätigte zudem, dass drei Mitarbeiter des städtischen Veterinäramtes auf dem heimlich gedrehten Videomaterial des Deutschen Tierschutzbüros zu sehen sind. Nach Einschätzung der Tierschützer sollen sie als Aufsichtspersonen das unerlaubte Treiben nicht bloß geduldet haben, sondern an der nicht fachgerechten Tötung von Tieren selbst beteiligt gewesen sein. Aus diesem Grund erstatteten die Tierrechtler eine weitere Strafanzeige. Die Stadt werde die Mitarbeiter befragen und klären, ob ihnen Verstöße gegen das Tierschutzrecht vorzuwerfen sind, sagte Schenke. Aufgrund des ruhenden Betriebes seien die Veterinäre im Schlachthof nicht mehr im Einsatz.

Betreiber räumt Verstöße ein

Das Tierschutzbüro hatte in der vergangenen Woche Bildmaterial, das heimlich auf dem Schlachthof gedreht worden war, der Staatsanwaltschaft, dem Veterinäramt und dem Landwirtschaftsministerium übergeben und Strafanzeige gegen den Betrieb gestellt. Die Videos zeigen, wie Rinder nicht fachgerecht betäubt und bei Bewusstsein getötet werden. Der Schlachthof bestätigte die Vorwürfe im Grundsatz: "Wir zweifeln weder die Authentizität der Bilder an, noch möchten wir die Vorfälle kleinreden", hatte das Unternehmen kurz nach Bekanntwerden der Videos mitgeteilt.

Viele Kunden beenden Zusammenarbeit mit Schlachthof

Nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe haben zahlreiche Kunden ihre Zusammenarbeit mit dem Schlachthof beendet. Am Montag entschied sich nach Angaben des Tierschutzbüros auch die Böseler Goldschmaus GmbH, die zu den größten Betrieben für die Produktion und den Vertrieb von Fleischwaren zählt, zu diesem Schritt. Zuvor hatten bereits unter anderem die Handelspartner Aldi, Lidl und Norma sowie die Bünting-Gruppe sämtliche Aufträge für den Schlachthof gestoppt. Das Tierschutzbüro vermutet, dass diese Entscheidungen zur Stilllegung des Betriebs geführt haben.

Tierschutzbüro fordert lückenlose Aufdeckung

Die Tierrechtler fordern eine dauerhafte Schließung des Schlachthofs und die lückenlose Aufklärung aller Hintergründe. "Es ist ein Erfolg, dass der Schlachthof selbst die Einsicht hatte, den grauenvollen Betrieb ruhen zu lassen", sagte der Vorstandsvorsitzende des Tierschutzbüros, Jan Pfeifer. "Alle Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden und es muss sichergestellt werden, dass so etwas zukünftig nie wieder passiert."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.11.2018 | 15:00 Uhr

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