Schimmel in Räumen: Kita-Kinder in Schortens müssen umziehen

Stand: 20.05.2022 21:18 Uhr

Die Stadt Schortens hat in dieser Woche Kita-Räume geschlossen - wegen Schimmelbefalls. 50 Mädchen und Jungen müssen nun bis zur Sommerpause in einer anderen Kita unterkommen.

Wie die Stadt Schortens mitteilte, reicht der Platz in dem Gebäude der bisherigen Kita nicht aus. Die Kinder würden daher befristet in der Krippe Jungfernbusch betreut, so Bürgermeister Gerhard Böhling (parteilos). Das sei mit dem Landesjugendamt abgestimmt. Die Turnhalle, die in der vergangenen Woche als Zwischenlösung für die Kinder gedient hatte, dürfe nicht mehr benutzt werden. Das habe das Landesjugendamt untersagt, so der Bürgermeister.

Betreuung der Kita-Kinder fällt Montag aus

Weil Umzug und Inbetriebnahme der Ausweichräume übers Wochenende nicht möglich sind, fällt die Betreuung für die betroffenen Kinder am Montag aus. Viele hatten sich eine Lösung am bisherigen Standort gewünscht. "Es wäre schön, wenn die Kinder nicht in anderen Gebäuden untergebracht werden müssten", sagte Kita-Leiterin Annika Rinke gegenüber dem NDR in Niedersachsen. Neben den vom Schimmel betroffenen Containern steht auf dem Gelände noch ein Hauptgebäude. Aber das sei voll ausgelastet. Dem Befall mit schwarzem Schimmel - offenbar in gesundheitsschädlicher Konzentration - sollen zwei Wasserschäden vorausgegangen sein.

Vater erstattet Anzeige wegen Körperverletzung

Die Eltern sind entsetzt und wütend. Wütend auch darüber, dass die Stadt im Landkreis Friesland ihrer Meinung nach den Schimmelbefall und ihre Sorgen nicht ernst genommen hat. "Die Stadt hat das runtergespielt und vertuscht, bis die Gutachter dann uns die traurige Nachricht übermittelt haben, dass die Kinder - aus meiner Sicht - vorsätzlich vergiftet wurden", sagte Vater Sebastian Sturm. Er will Bürgermeister Böhling im April per Brief auf die Problematik hingewiesen haben. Sturm hat zudem Anzeige wegen Körperverletzung und Unterlassung erstattet.

Bürgermeister: Wurde vom Gutachten überrascht

Böhling hat auf einer eilends einberufenen Pressekonferenz am Mittwochabend gesagt, dass ihn die Ergebnisse des Gutachtens überrascht hätten. Er sei nicht davon ausgegangen, dass es in den Räumlichkeiten gesundheitsgefährdende Probleme gebe. Dementsprechend gebe es momentan keine Option. "Wenn du davon ausgehst, wahrscheinlich ist da nix, dann trifft es dich überraschend, dann erarbeitest Du keinen Plan B", hatte der Bürgermeister gesagt. Außerdem, so Böhling, gehörten die Container nicht der Stadt. Der Eigentümer sei für die Instandsetzung verantwortlich und habe Reparaturarbeiten durchgeführt. Damit sei die Geschichte für ihn, Böhling, durch gewesen.

Eltern: Stadt hatte seit Anfang 2022 Kenntnis

Vater Sturm widerspricht gegenüber dem NDR. Die Stadt Schortens habe als Betreiber des Kindergartens Anfang des Jahres Kenntnis von einem zweiten Wasserschaden und einem möglichen Schimmelbefall gehabt. Ungeachtet dessen hätten die Kinder in den betroffenen Containern noch bis Mitte Mai gespielt, geschlafen und gegessen. "Es liegt der Stadt ein Gutachten vor, das wird entgegen des Versprechens des Bürgermeisters zurückgehalten. Aus dem Gutachten geht hervor, dass die Pilzbelastung in dem Schlafraum so hoch war, dass nach Aussagen der Gutachter innerhalb von zwei Stunden ein gesundheitlicher Schaden zu erwarten ist", so Sturm. Er hat seinen Sohn aus der Kindertagesstätte abgemeldet.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.05.2022 | 12:00 Uhr

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