In einer Geburtsstation in Hannover liegt ein Säugling in einem Bett. © NDR Foto: Julius Matuschik

Geburtsstationen schließen: "Gefährliche Lage für Gebärende"

Stand: 19.08.2022 15:04 Uhr

Hebammen im Landkreis Cloppenburg schlagen Alarm, weil immer mehr Kreißsäle geschlossen werden. In Cloppenburg soll etwa nur noch tagsüber, aber nicht mehr nachts und an Wochenenden entbunden werden.

Von einer "dramatischen und gefährlichen Lage für Gebärende" haben Hebammen und Eltern auf einer Veranstaltung in Cloppenburg gesprochen. In dem Landkreis werden jährlich rund 2.000 Babys geboren, gemessen an der Einwohnerzahl sind das mehr als in jedem anderen Landkreis in Niedersachsen. Trotzdem wurde im vergangenen Jahr die Geburtsstation im Krankenhaus Friesoythe geschlossen. Und nun auch noch die eingeschränkten Öffnungszeiten im Kreißsaal in Cloppenburg.

Viele Geburtsstationen im ganzen Land geschlossen

Für die Schwangeren sei das ein großes Problem, schließlich könnten sie sich den Zeitpunkt der Geburt nicht aussuchen, sagte Silvia van Geel von der Landes-Eltern-Initiative. Ein Problem, das nicht nur in Cloppenburg bekannt ist. So wurden beispielsweise auch in Emden, Peine und im Landkreis Diepholz die Geburtsstationen geschlossen, wie Hebammen-Sprecherin Veronika Bujny dem NDR in Niedersachsen sagte. Viele andere Krankenhäuser, etwa in Bremen, Oldenburg und Aurich, lehnen es bereits ab, zusätzliche Entbindungen von außerhalb anzunehmen.

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Hebamme: "Gefahr für Mutter und Kind"

Es ist ein Zustand, der viele Frauen verunsichert. Manche Schwangeren suchen teils weit entfernt nach einer sicheren Möglichkeit zu entbinden. Entsprechende Häuser seien aber oft bis zu einer Stunde Fahrzeit entfernt, sagte Hebammen-Sprecherin Bujny. Sie warnt deshalb vor einer Gefahr für Leib und Leben von Mutter und Kind. Ende des Monats wollen Hebammen und Mütter in Cloppenburg gegen die Zustände protestieren. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der am Donnerstag auf der Veranstaltung in Cloppenburg zu Gast war, versprach, sich im Bund für das Thema einzusetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 19.08.2022 | 15:00 Uhr

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