Stand: 09.07.2019 11:24 Uhr

Fassmer-Werft saniert "Gorch Fock" weiter

Als die "Gorch Fock" kürzlich wieder zu Wasser gelassen wurde, war noch nicht klar, wer das Schulschiff der Marine weiter instand setzt. Nun steht fest: Der Großsegler soll dafür in der Fassmer-Werft in Berne im Landkreis Wesermarsch bleiben. Das hat der Vorstand der Elsflether Werft, Axel Birk, NDR 1 Niedersachsen auf Nachfrage bestätigt.

Angebote mehrerer Werften

Die Elsflether Werft ist Hauptauftragnehmerin für die Sanierung der "Gorch Fock", hat selbst aber kein entsprechendes Dock und deshalb einen passenden Partner gesucht. Mehrere Werften hätten Angebote abgegeben, sagte Birk dem NDR. Man sei also in der komfortablen Situation gewesen, sich das beste auszusuchen. Die Fassmer-Werft hat den Zuschlag bekommen. Sie hat das "attraktivste Angebot gemacht", begründet Birk die Entscheidung. Rund drei Monate bleibt das Segelschulschiff für weitere Arbeiten in Berne, unter anderem werden Leitungen für Frisch- und Abwasser eingebaut sowie Kabel für die Elektrik gelegt. Zudem soll es wieder weiß gestrichen werden. "Wo die Masten gestellt werden, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden", sagte Birk. Am Donnerstag wird die "Gorch Fock" aus dem Wasser gehoben.

"Gorch Fock": Per Schlepper über die Weser

Werft wollte Schiff als Pfand behalten

Die Bredo Werft, in der die "Gorch Fock" dreieinhalb Jahre lag, kam dafür nicht mehr in Frage. Das Verhältnis zwischen den Bremerhavenern und der Elsflether Werftleitung gilt als zerrüttet.  Ende Juni wurde die "Gorch Fock" bei der Bredo Werft in Bremerhaven ausgedockt und weseraufwärts in die Fassmer-Werft geschleppt. Das Ausdocken stand seinerzeit bis zuletzt auf der Kippe, weil die Bremerhavener den Rumpf des Segelschulschiffs als Pfand behalten wollten, um Außenstände von rund fünf Millionen Euro einzutreiben. Doch die insolvente Elsflether Werft konnte nicht zahlen und die Marine weigerte sich einzuspringen. Die Schwimmfähigkeit des Rumpfs war Voraussetzung für den Weiterbau des Segelschulschiffs. Erst danach hatte das Verteidigungsministerium entschieden, dass es weiter geht mit der "Gorch Fock".

Elsflether Werft sucht Investor

Der Elsflether Werftvorstand Axel Birk ist zuversichtlich, dass der Nachfolger von Verteidigungsministerin von der Leyen an der Entscheidung festhält, sollte diese - wie geplant - nach Brüssel wechseln. Die Kosten für die Instandhaltung der "Gorch Fock" waren von zehn auf 135 Millionen Euro explodiert. Der insolventen Elsflether Werft verschafft die Entscheidung aus Berlin erst einmal Luft. Kurzfristig sucht sie aber einen Investor. Dafür muss allerdings gebaggert werden, nicht nur im übertragenen Sinn, sondern vor allem im Hafenbecken. Axel Birk sieht das Land Niedersachsen in der Pflicht. Denn es gibt eine Vereinbarung aus den 70er Jahren, die das vorsieht. Jetzt müsse sie auch umgesetzt werden. "Denn potenzielle Käufer der Werft fordern eine verlässliche Lösung für die wiederkehrende Verschlickung", mahnt Birk.

Zeit- und Kostenplan sollen eingehalten werden

Der Werftchef ist überzeugt, dass der Zeitplan gehalten werden kann, das Segelschulschiff im Herbst 2020 der Marine übergeben wird - und dass die Kostengrenze gehalten wird. "Dass das Verteidigungsministerium einen externen Berater mit schiffbaulicher Kompetenz verpflichtet hat, um die Instandhaltungsarbeiten zu kontrollieren, ist sinnvoll", sagt Birk. Der Bundesrechnungshof hatte eine entsprechende Forderung gestellt.

Ex-Werftvorständen droht juristisches Nachspiel

Unterdessen geht die strafrechtliche Aufarbeitung weiter. Vor zwei Wochen hat die Staatsanwaltschaft Osnabrück weitere Akten in Elsfleth beschlagnahmt. Hintergrund sind offenbar gelöschte E-Mails, die wieder hergestellt werden konnten. Sie sollen nahelegen, dass dem Verteidigungsministerium jahrelang überhöhte Preise für Instandsetzungsarbeiten in Rechnung gestellt wurden. Gegen die ehemaligen Vorstände ermittelt die Staatsanwaltschaft unter anderem wegen des Verdachts der Untreue. Beide bestreiten die Vorwürfe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 09.07.2019 | 09:00 Uhr

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