Zwei Männer gehen vor einem mit Castor-Behältern beladenen Zug auf einem Bahnhof vorbei. © dpa-Bildfunk Foto: Boris Roessler

Castor-Transport ist im Zwischenlager in Biblis angekommen

Stand: 04.11.2020 21:57 Uhr

Der Castor-Transport ist am Mittwoch im Zwischenlager am abgeschalteten Atomkraftwerk Biblis angekommen: Der Zug hatte in der Nacht mehrere Bahnhöfe in Südniedersachsen passiert.

Der Zug erreichte laut einer Polizeisprecherin das Gelände des hessischen Kernkraftwerks gegen 10 Uhr. Etwa zwei Dutzend Aktivisten hatten zuvor im Umfeld des Bahnhofs Biblis demonstriert. Nach Angaben der Bundespolizei hatten mehrere Tausend Beamte die gesamte Bahnstrecke gesichert. Es sei alles ruhig verlaufen, sagte eine Sprecherin. In Biblis soll der Atommüll in dem Zwischenlager deponiert werden, bis ein deutsches Endlager zur Verfügung steht.

Lies kritisiert Proteste gegen Atom-Transport

Am Göttinger Bahnhof hatten am Mittwochmorgen 15 Atomkraftgegner gegen den Transport protestiert, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Aus Sicherheitsgründen und wegen Corona hätte der Castor nicht losfahren dürfen, so die Göttinger Anti-Atom-Initiative. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) kritisierte die Proteste entlang der Strecke. Schließlich sei der Ausstieg aus der Kernenergie beschlossen und Deutschland zur Rücknahme des deutschen Atommülls aus der englischen Wiederaufbereitungsanlage in Sellafield verpflichtet.

Bundespolizei warnte vor Betreten der Gleise

In Deutschland ist dies der erste große Rücktransport von Atommüll seit neun Jahren. In der Vergangenheit waren Castor-Transporte oft von großen Protesten mit Blockaden der Gleise begleitet gewesen. Die Bundespolizei hatte eindringlich davor gewarnt, Bahnanlagen und Gleise zu betreten. Denn der Weg zum Stopp eines Zuges könne bis zu 1.000 Meter betragen. Zudem bestehe die Gefahr eines tödlichen Stromschlags im Bereich der Oberleitungen - auch ohne diese zu berühren. Dazu reiche bereits ein Abstand von 1,5 Metern aus.

Aktivisten halten Transport für sinnlos und hoch gefährlich

Atomkraftgegner hatten eine Mahnwache in Biblis angekündigt. "Der hochradioaktive Atommüll wird nicht nur als unsichtbares Geisterschiff durch die Deutsche Bucht geschifft, sondern jetzt auch ohne vorherige Information an betroffene Bahnreisende und Anwohner*innen der Transportstrecke auf seine gefährliche Reise geschickt", sagte Herbert Würth vom Bündnis "Castor stoppen". "Diese fossile Atompolitik à la 'aus den Augen aus dem Sinn' muss endlich beendet werden." Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) bemängelte, dass in Deutschland auf absehbare Zeit kein Endlager für Atommüll in Sicht ist. Trotzdem werde weiterhin Atommüll in Atomkraftwerken und Uranfabriken produziert. "Demonstrationen gegen Atommüll-Verschiebereien sind und bleiben zwingend notwendig", sagte BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz.

Kritik am Transport während der Corona-Pandemie

Besonders umstritten ist die Rückführung des Atommülls aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield aufgrund der Corona-Pandemie. Neben Atomkraftgegnern hatten auch Politik und Polizei kritisiert, dass ein solcher Transport in dieser Zeit eine zusätzliche Belastung sei. Das Land Niedersachsen hatte zuvor erfolglos versucht, bei der Bundesregierung auf eine Verschiebung des Transports hinzuwirken. Diese hatte eine erneute Terminänderung unter Hinweis auf internationale Absprachen zur Rücknahme von Atommüll abgelehnt. Nach Angaben der Einsatzleitung galt für die Polizisten ein umfassendes Hygienekonzept - auch im Umgang mit Demonstrationsteilnehmern.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 04.11.2020 | 11:00 Uhr

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