Stand: 26.08.2019 11:51 Uhr

Brexit: Schotten planen Fähre nach Eemshaven

Das niederländische Eemshaven könnte für die Schotten bald das Tor nach Europa sein.

Angesichts eines drohenden harten Brexits suchen die Schotten nach neuen Wegen, um ihren Whisky auch weiterhin schnell in die EU liefern zu können. Dafür haben sie das niederländische Eemshaven in direkter Nachbarschaft zu Ostfriesland als Fährhafen ausgemacht. Das schottische Unternehmen TEC Farragon plant eine tägliche Fährverbindung von Rosyth bei Edinburgh an die Emsmündung. Sie könnte nach Plänen des Unternehmens für Whisky- und Holzexporte, aber auch als Auto- und Passagierfähre genutzt werden.

Harter Brexit hätte Zollbürokratie zur Folge

Bislang verschifft das Unternehmen seine Waren über Dover. Sollte Großbritannien allerdings am 31. Oktober die EU ohne Abkommen verlassen, würde das für den Zoll mehr Bürokratie bedeuten. Das hätte laut Experten lange Wartezeiten im Transitverkehr zur Folge. Um einer möglichen Warteschlange am Hafen von Dover zu auszuweichen, will TEC Farragon deshalb seine Export-Route verlegen.

IHK: Ostfriesland könnte von der Fährverbindung profitieren

"Schade, dass die Schotten nicht den Emder Hafen anfahren wollen, aber Eemshaven liegt einfach 20 Kilometer günstiger", sagte der Verkehrsexperte der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg. Er glaubt, dass die Ostfriesen aber dennoch von der Fährverbindung nach Eemshaven profitieren können. Als Zubringer nach Eemshaven sei etwa eine Fähre von Emden aus denkbar. Der Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Ems-Achse hält es auch für möglich, dass die Ostfriesen über die neue Verbindung die Kontakte zur schottischen Wirtschaft intensivieren können. Schottland sei vor allem für den Offshore-Markt ein großes Geschäft.

Niedersachsens Häfen sehen sich für harten Brexit gerüstet

Für einen möglichen harten Brexit sehen sich Niedersachsens Häfen insgesamt gut gerüstet. Das Personal sei geschult und Pufferflächen geschaffen worden, sagte Timo Schön, Geschäftsführer der Marketinggesellschaft "Seaports of Niedersachsen", vergangene Woche der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Wenn es einen Rückstau von Waren geben sollte, hätten wir keine Probleme, dies abzufangen", so Schön. Durch den Austritt Großbritanniens aus der EU sieht Schön langfristig auch Chancen für die niedersächsischen Häfen. Sollten Verkehrswege verlagert werden, stünden die Häfen hierzulande als verlässliche Partner bereit, sagte Schön.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.08.2019 | 12:00 Uhr

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