Stand: 10.04.2019 14:50 Uhr

Soldaten-Kollaps: Strafbefehl gegen Ausbilderin

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Nach dem Zusammenbruch von vier Offiziersanwärtern im Juli 2017 hat das Amtsgericht Soltau einen Strafbefehl gegen eine Ausbilderin erlassen. (Themenbild)

Nach dem Tod eines Offiziersanwärters bei einem Marsch in Munster im Juli 2017 haben die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft keine Anhaltspunkte für eine fahrlässige Tötung ergeben. Das sagte der Sprecher der Lüneburger Anklagebehörde, Jan Christoph Hillmer der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. Für den Vorgesetzten und eine Ausbilderin des 21-Jährigen sei der Tod nicht vorhersehbar gewesen. "Ein Vorwurf der fahrlässigen Tötung hat sich nicht ergeben", so Hillmer. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hatte nach dem Tod des Soldaten zunächst wegen fahrlässiger Tötung und wegen des Zusammenbruch der anderen drei Offiziersanwärter wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen den Vorgesetzen und die Ausbilderin ermittelt.

Keine strafrechtlichen Konsequenzen für Vorgesetzten

Im Fall eines kollabierten Mannes sahen die Ermittler den Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung bestätigt. Demnach hätte die Soldatin den Zusammenbruch des Offiziersanwärters vorhersehen können. Nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hatte der Soldat die Ausbilderin auf körperliche Ausfallerscheinungen hingewiesen. Dagegen ergeben sich für den Vorgesetzen nach Ermittlungsabschluss keine strafrechtlichen Konsequenzen.

Geldstrafe im mittleren vierstelligen Bereich

Daraufhin hat die Lüneburger Staatsanwaltschaft beim zuständigen Amtsgericht in Soltau den Erlass eines Strafbefehls beantragt, nach dem die Ausbilderin eine Geldstrafe zahlen muss. Diese liegt im mittleren vierstelligen Bereich. "Der Strafrichter beim Amtsgericht Soltau hat diesen Strafbefehl auch erlassen", sagte Hillmer. Nimmt die Frau diesen an, entspricht er einem Urteil. Bei Einspruch kommt es zu einer Hauptverhandlung.

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Alle Offiziersanwärter erlitten Hitzschlag

Im Rahmen ihrer Ausbildung waren der 21-Jährige und drei weitere Offiziersanwärter während eines Fußmarsches bei sommerlichen Temperaturen von knapp 28 Grad Celsius kollabiert. Die jungen Männer wurden anschließend in einer Klinik behandelt. Der 21-Jährige starb zehn Tage später in dem Krankenhaus. "Bei allen vier Offiziersanwärtern war der Zusammenbruch nach den Ermittlungserkenntnissen auf einen Hitzschlag zurückzuführen", sagte Hillmer.

Eineinhalb Jahre nicht vernehmungsfähig

Für die beteiligten Offiziersanwärter hatte der Gewaltmarsch weitreichende Folgen: Ein Soldat kämpfte monatelang mit den Folgen. Er war erst Anfang Januar von der Staatsanwaltschaft zu dem Fall vernommen worden. Zwei weitere Geschädigte verbrachten lange Zeit in der Reha.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.04.2019 | 17:00 Uhr

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