Stand: 17.07.2019 07:31 Uhr

Protest gegen Amazon: Aktivisten verlassen Dach

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben ihren Protest auf dem Dach des Logistikzentrums von Amazon in Winsen (Landkreis Harburg) beendet. Mit dem Ende der Rabatt-Aktion "Prime Day" um Mitternacht verließen die Demonstranten friedlich das Dach, wie die Polizei mitteilte. Ihre Personalien wurden festgestellt, sie erwarten nun Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch. Von ursprünglich knapp 40 Protestierenden hatten bereits bis Dienstagmorgen acht Personen das Dach freiwillig verlassen.

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27 Meter langer Schriftzug auf Hallendach

Es habe keine Auseinandersetzungen und keine Einschränkungen des Betriebs gegeben, so die Polizei. Deshalb hatte man auf eine risikoreiche Räumung des Dachs verzichtet. Die Umweltschützer besetzten seit Sonntagnachmittag das Dach und hatten eine 27 Meter lange Installation aus Versandkartons mit dem Schriftzug "Für die Tonne" aufgehängt. Diese wurde per Kran auf das Hallendach gehoben.

Greenpeace: 30 Prozent aller Retouren vernichtet

Anlass für den Protest war die Aktion am Montag und Dienstag mit Sonderangeboten für Amazon-Kunden, sagte Wohlgemuth: "Wir wollen auf die klimaschädliche Ressourcenvernichtung bei Amazon aufmerksam machen." Nach Angaben von Greenpeace gehen rund 30 Prozent aller Amazon-Retouren nicht wieder in den direkten Verkauf. Wohlgemuth berichtete, dass die Dachbesetzer regelmäßig von Amazon-Mitarbeitern unten am Gebäude freudig gegrüßt und in ihrem Protest bestätigt würden.

Polizei sucht "kooperative Lösung"

Amazon hatte in einer Mitteilung am Sonntag die Art von Protest in Winsen als illegal bezeichnet. Diese gefährde unnötig alle Beteiligten und Mitarbeiter, hieß es. Zu den Vorwürfen von Greenpeace teilte der Konzern mit, dass manche Produkte aus Sicherheits- oder Hygienegründen nicht weiterverkauft werden könnten. Amazon arbeite intensiv daran, die Anzahl dieser Produkte auf null zu senken, hieß es.

Belegschaft streikt bundesweit für Tarifvertrag und besseren Lohn

Derweil haben nach Angaben der Gewerkschaft ver.di mehr als 2.000 Beschäftigte bundesweit ihre Arbeit für einen eigenen Tarifvertrag und bessere Bezahlung niedergelegt. Unter dem Motto "Kein Rabatt auf unsere Einkommen" protestieren sie dabei gegen die Sonderangebotstage für Stammkunden. Betroffen seien die Werke in Werne und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen), Leipzig (Sachsen), Augsburg (Bayern), Koblenz (Rheinland-Pfalz) sowie zwei in Bad Hersfeld (Hessen). "Während Amazon mit satten Preisnachlässen beim "Prime Day" zur Schnäppchenjagd bläst, wird den Beschäftigten eine existenzsichernde tarifliche Bezahlung vorenthalten", kritisierte ver.di-Handelsexperte Orhan Akman. Auf den operativen Betrieb habe der Ausstand keine Auswirkungen, sagte ein Amazon-Sprecher.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 17.07.2019 | 06:30 Uhr

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