Stand: 15.11.2019 15:22 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Mienenbüttel: Was passiert mit den Tieren?

Ein Affe aus dem LPT-Versuchslabor in Mienenbüttel (Landkreis Harburg).

200 Beagle, 140 Affen und 50 Katzen - wo werden sie in Zukunft leben? Das wegen Tierquälerei stark in Kritik geratene Tierversuchslabor Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Mienenbüttel im Landkreis Harburg wird 2020 schließen. Das geht aus einem internen Schreiben hervor, das dem NDR vorliegt. 76 Affen des Labors wurden bereits einem niederländischen Tierhändler übergeben. Der Pharmakonzern Merck, der mit dem LPT zurzeit eine Studie durchführt, will die verbliebenen Hunde in Obhut nehmen.

Pharmaunternehmen Merck: Erst testen, dann retten

Am Freitag gab der Landkreis Harburg bekannt, dass derzeit die Rechtsgrundlage fehle, um die Tiere zu beschlagnahmen. Transportiere LPT die Tiere ab, so könne man dies nicht untersagen, solange dabei alle tierschutzrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Das LPT in Mienenbüttel macht zurzeit noch eine Studie mit der Firma Merck und will erst am 29. Februar 2020 schließen. Doch wie am Freitag bekannt wurde, will der Pharmakonzern Merck die laufenden Tierversuche früher als geplant beenden. Nach Konzernangaben könnte die Studie bereits Mitte Dezember abgeschlossen werden. Das Niedersächsische Landesamt prüfe jetzt, ob die laufenden Tierversuche früher beendet werden könnten, ohne den Tieren zusätzlich zu schaden, so eine Behördensprecherin. Nach eigenen Angaben plant Merck, die verbliebenen Hunde aufzunehmen und sie mit Hilfe von anerkannten Organisationen angemessen unterzubringen. Nach der Studie werde man nicht mehr mit LPT zusammenarbeiten, teilte die Firma bereits am Mittwoch mit.

Tierschützer fordern Freiheit für Tiere

Für die "Soko Tierschutz", "Cruelty Free International", den Hamburger Tierschutzverein und andere Tierschutzvereine gibt es nur eine Lösung: Tierheim statt Tierversuchseinrichtung und das so schnell wie möglich. "Es gibt für jedes Tier einen Platz. Die Zivilbevölkerung wird nicht zulassen, dass diese Tiere, die im LPT teilweise seit vielen Jahren leiden, verschachert oder getötet werden", sagt Friedrich Mülln von der "SOKO Tierschutz". Die Tierschützer fordern die sofortige Schließung des Mienenbüttler Labors sowie die Schließung der zwei weiteren Standorte von LPT in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Vorwürfe gegen das LPT

Dem LPT wird vorgeworfen, dass es Tiere gequält und in zu kleinen Käfigen untergebracht hat. Tierschützer hatten die Misshandlungen der Tiere im Versuchslabor heimlich gefilmt und veröffentlicht. Schreiende Affen und blutverschmierte Hunde schockierten viele Menschen. Das Veterinäramt des Landkreises schaltete sich ein und die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt. Doch das vorliegende Videomaterial und die inzwischen abgestellten Mängel bei der Haltung der Affen stellten juristisch keinen hinreichenden Grund für die direkte Schließung des Labors dar.

Großdemo am Sonnabend gegen Tierversuche

Seit Oktober protestieren Tausende gegen die Tierversuche in Mienenbüttel. Die "Soko Tierschutz" ruft für diesen Sonnabend zur "größten Demo gegen Tierversuche aller Zeiten" auf. Protestiert wird ab 14 Uhr auf dem Heidi-Kabel-Platz am Hamburger Hauptbahnhof.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 15.11.2019 | 15:00 Uhr

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