Stand: 31.03.2019 16:35 Uhr

Mahnmal: Schneverdingen gedenkt KZ-Häftlingen

Der Schneverdinger Ratsvorsitzende Dieter Möhrmann (links) und Hobby-Historiker Adolf Staack stehen vor dem neu gebauten KZ-Mahnmal in Schneverdingen.

Die Stadt Schneverdingen im Landkreis Heidekreis hat am Sonntag ein Denkmal für KZ-Häftlinge eingeweiht. 62 Menschen sollen bei einem Transport mit der Heidebahn kurz vor Kriegsende ums Leben gekommen sein. Die unbekannten Toten wurden Anfang April 1945 in Schneverdingen verscharrt. Nach Angaben des örtlichen Ratsvorsitzenden Dieter Möhrmann kamen die Opfer aus Konzentrationslagern im Harz. Dort wurden sie kurz vor Eintreffen alliierter Soldaten in die Wagen gepfercht und in Richtung Norden abtransportiert. Möhrmann ist zugleich Mit-Initiator der Initiative "Bunt statt Braun", die sich seit Jahren für ein Denkmal einsetzt.

Schüler gestalten Mahnmal in einem Wettbewerb

Der Betonkubus mit dem Bretterverschlag steht gegenüber dem Bahnhof direkt an den Gleisen der Heidebahn. Er soll einen Eisenbahnwaggon symbolisieren, sagt Adolf Staack. Der Schneverdinger Hobby-Historiker hat den Bau des Mahnmals von Beginn an begleitet. "Die überdimensionierten Nägel stehen symbolisch für die KZ-Häftlinge, die in den offenen Wagen transportiert wurden", sagt Staack. "Darüber schwebt eine große Betonplatte - als das drohende Verhängnis, so würde ich das interpretieren." Der Entwurf ist im Rahmen eines Kunstwettbewerbs der Integrierten Gesamtschule in Schneverdingen entstanden.

Stadt investiert 100.000 Euro für Denkmal

Nach Angaben von Möhrmann wurde inzwischen bekannt, dass das englische Militär zum Kriegsende einen Gedenkstein errichten ließ. Die damalige Gemeindeverwaltung habe diesen aber einige Jahre später entfernt und durch ein schlichtes Kreuz ersetzt. "Im Rahmen der Nachforschungen hat sich dann herausgestellt, dass dieses Kreuz entstanden war, weil man den bisherigen Stein für schmachvoll, kränkend und verletzen empfunden hat", sagt Möhrmann. Man habe sich mit der Geschichte nicht auseinandersetzen wollen und den Stein als Schmach empfunden, mutmaßt er. Umso wichtiger sei es, dass es jetzt das Mahnmal gebe. Die Stadt hat rund 100.000 Euro in dieses Mahnmal investiert, weitere 35.000 Euro kamen von Spendern und Sponsoren.

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Dieses Thema im Programm:

Regional Lüneburg | 29.03.2019 | 13:30 Uhr

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