Stand: 07.08.2019 20:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Wolfsjagd: 83.000 Euro und doch kein Abschuss

83.000 Euro - so viel hat das Land Niedersachsen bislang die erfolglose Jagd auf den Leitwolf des Rodewalder Rudels im Kreis Nienburg gekostet. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der Grünen im Landtag hervor. Ein Großteil der Kosten entfallen demnach auf einen "Dienstleister": Rund 48.200 Euro hat dieser dem Land bislang in Rechnung gestellt. Um was für eine Art Dienstleister es sich dabei handelt - dazu wollte sich das Umweltministerium nicht konkret äußern. Eine Sprecherin sagte NDR.de, es sei jemand, der das Land bei der "Individualisierung und dem Entnahme-Verfahren unterstützt."

Jagd mit Lebendfallen?

Der Grünen-Landtagsabgeordnete und frühere Agrarminister Christian Meyer hat derweil die Vermutung geäußert, dass es sich um einen Hersteller von Lebendfallen handelt. In den großen, kastenförmigen Fallen sollen Tiere des Rodewalder Rudels gefangen werden und DNA-Proben entnommen werden. Entpuppt sich eines der gefangenen Tiere als der gesuchte Leitwolf, könne dieser anschließend erschossen werden: Diese rechtssichere Identifizierung sei zwingend notwendig, so Meyer.

Wolf darf bis Ende August getötet werden

Das Land will den Wolf töten lassen, weil er Schutzzäune für Vieh überwunden und Rinder in einer Herde getötet hatte. Ende Januar war der Rüde zum Abschuss freigegeben worden. Eine Entscheidung, die später vom Oberverwaltungsgericht bestätigt wurde. Die aktuelle Abschussgenehmigung läuft bis zum 31. August. Bislang streift das Tier allerdings offenbar noch quicklebendig durch ein bis zu 600 Quadratkilometer großes Gebiet im Kreis Nienburg.

"Kosten unverhältnismäßig"

Meyer kritisiert die Ausgaben für die Jagd auf den Wolf als unverhältnismäßig, weil sie viel höher seien als die Ausgleichszahlungen, die das Land bisher für Nutztierrisse des Rüden gezahlt hat. Für drei Fälle, in denen das Tier wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder angegriffen hat, überwies das Land an betroffene Landwirte insgesamt rund 2.460 Euro. Ein Übergriff auf Schafe kostete rund 430 Euro, wie ebenso aus der Anfrage im Landtag hervorgeht.

Rodewalder "Problemwolf"

  • Am 31. Januar wurde bekannt, dass das Umweltministerium den Wolf mit dem genetischen Code "GW717m" zum Abschuss freigegeben hat. Die Ausnahmegenehmigung gelte bereits seit dem 23. Januar, hieß es. Die Sachlage sei juristisch geprüft und bewertet worden.
  • Umweltminister Olaf Lies (SPD) bezeichnete den Abschuss des Rüden, der einem Rudel bei Rodewald im Landkreis Nienburg angehört, als notwendig. Das Tier soll laut Ministerium für etwa 40 getötete Nutztiere, darunter Schafe, Ponys und ein Alpaka, verantwortlich sein.
  • Mit "GW717m" hat Niedersachsen zum zweiten Mal einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Im April 2016 war ein Wolf mit dem Spitznamen "Kurti" mit behördlicher Genehmigung abgeschossen worden. Er hatte einen Hund angegriffen und zeigte zu wenig Scheu vor Menschen.

Rüde eventuell mit Peilsender ausgestattet

Auch das bislang für die Wolfsjagd eingesetzte Personal kostete das Land demnach deutlich mehr: Laut Ministerium rund 31.600 Euro - vermutlich vor allem für Mitarbeiter von Wolfsbüros, wie Grünen-Politiker Meyer vermutet. Weitere Posten entfallen demnach auf den Einsatz von Ordnungskräften und "Übertragungskosten für die Aktivierung der GPS-Satellitenhalsbänder". Bedeutet das, dass der gesuchte Wolf inzwischen mit einem GPS-Sender ausgestattet wurde? Dazu wollte sich das Ministerium gegenüber NDR.de nicht äußern.

Erst "Kurti", dann "GW717M"?

Falls es einen Sender gibt, könnte die Suche nach dem Tier mit der offiziellen Bezeichnung "Wolfsindividuum GW717m" bald schneller gehen: Im April 2016 wurde mit behördlicher Genehmigung bereits ein Wolf abgeschossen, weil er einen Hund angegriffen und keine Scheu vor Menschen gezeigt hatte. Das "Kurti" genannte Tier war mit einem Senderhalsband ausgestattet und konnte so leicht geortet werden. "Kurti" war der erste mit Genehmigung abgeschossene Wolf in Niedersachsen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 07.08.2019 | 06:30 Uhr

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