Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit einem Mund-Nasen-Schutz. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Steffen

Tonne will so lange wie möglich Präsenzunterricht an Schulen

Stand: 22.10.2020 21:47 Uhr

Am Montag geht die Schule nach den Herbstferien wieder los. Es bleibt beim Präsenzunterricht. In Kommunen mit hohen Fallzahlen wird die Maske im Unterricht empfohlen.

So lange wie möglich soll der weitgehende Regelbetrieb an Schulen aufrechterhalten werden, sagte Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Auch die verschärfte Infektionslage lasse das zu. Es habe sich nach den Sommerferien sowie in Studien herausgestellt, dass es in Schulen und Kitas keine unkontrollierte Verbreitung des Coronavirus gegeben habe. "Infektionen fanden in der Regel außerhalb von Schulen statt", sagte Tonne.

VIDEO: Corona: Präsenzunterricht so lange wie möglich (4 Min)

Minister betont soziale Funktion der Schule

Aus den weitgehenden Einschränkungen im Frühjahr habe man gelernt, dass Einschnitte im Bildungs- und Betreuungssystem erst an letzter Stelle stehen dürften. "Schulen und Kitas sind keine Infektionstreiber und keine Hotspots", so Tonne. Schule habe eine soziale Funktion als Lern- und Lebensort - und sei deshalb ein besonders schutzwürdiges Gut. Zudem wolle man den Eltern ein hohes Maß an Verlässlichkeit bieten, damit sie weiterhin ihrer Arbeit nachgehen können.

Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht bei Inzidenz von 50 empfohlen

Doch der Minister wies auch darauf hin, dass die Ausgangslage nach den Herbstferien eine andere ist als nach den Sommerferien. Deshalb empfiehlt das Kultusministerium künftig auch eine Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einem Landkreis auf mehr als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner steigt. Dies gilt von Montag an für Schüler ab der fünften Klasse einschließlich der Berufsbildenden Schulen. Die Maske schränke zwar die pädagogischen Möglichkeiten und die Unterrichtsqualität ein und sei darüber hinaus ein Eingriff in die persönliche Freiheit, sagte Tonne. "Aber als Schutzmechanismus hat sie sich bewährt." Bevor es zur Einschränkungen des Präsenzunterrichts komme, sei die Mund-Nasen-Bedeckung "ein Instrument, das ausprobiert werden sollte". Grundschüler müssen bis auf Weiteres keine Maske im Unterricht tragen.

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Bewusst keine Verpflichtung zur Maske im Unterricht

Im Zwei-Wochen-Rhythmus solle geprüft werden, ob es einen Nachsteuerungsbedarf gibt, sagte Tonne. Der nächste Schritt sei, die Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht verbindlich in der Corona-Verordnung festzuhalten. Zunächst wolle man jedoch ermöglichen, die Maske nur punktuell einzusetzen. Denn eine Inzidenz von 50 und mehr Fällen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tage bedeute nicht, dass alle Gemeinden im Landkreis gleichermaßen betroffen seien, sagte Tonne und verwies auf Ausbruchsgeschehen, die sich hauptsächlich etwa in Schlachthöfen abspielten.

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Lüften - aber kein "Modus des Dauerfrierens"

Ein zentraler Baustein, um das Infektionsgeschehen einzudämmen, ist laut Tonne zudem das Lüften. Darin seien sich alle Experten einig. "Es muss gelüftet werden, damit ein sicherer Unterricht in der Schule stattfinden kann", so der Minister. Eine Dauerlüftung wie nach den Sommerferien sei jedoch nicht mehr vorgesehen. Stattdessen gelte die Faustregel 20-5-20. Demnach soll ein Klassenraum nach 20 Minuten Unterricht für drei bis fünf Minuten stoßgelüftet werden. Dabei kühle sich die Raumtemperatur lediglich um zwei bis drei Grad ab. Tonne versicherte, dass es auch in den kommenden Wintermonaten "keinen Modus des Dauerfrierens in Schulen" geben werde. Räume, die sich nicht lüften lassen, dürften für den Unterricht nicht genutzt werden. Die Schulträger müssten sich dann um alternative Räumlichkeiten bemühen, sagte Tonne. Die Kommunalen Spitzenverbände und Schulträger hätten bislang keine Probleme mit dem Lüften gemeldet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 22.10.2020 | 12:00 Uhr

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