Stand: 24.07.2018 15:59 Uhr

Stadt kritisiert illegalen Weg der Hausbesetzer

Seit einer Woche besetzt die Initiative "Freiräume in Hildesheim" ein Gebäude in der Stadt.

Ein Umsonstladen, eine offene Küche, ein Skate-Park: Seit einer Woche besetzt eine Initiative aus Studierenden, Schülern und Kulturschaffenden ein Haus in Hildesheim und setzt - eigenen Angaben zufolge - ihre Vision um: ein großes kulturelles Zentrum, das selbst verwaltet wird. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es in Hildesheim zu wenig Freiräume für Kultur, politische Arbeit und Jugend gibt", sagt Cora Lieferd, Sprecherin der Initiative "Freiräume Hildesheim". Die Forderungen der Aktivisten richten sich also ausdrücklich an die Stadt. "Wir haben eine gewisse Sympathie für die ein oder andere Idee der Initiative", sagt Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer (parteilos). "Aber die illegale Hausbesetzung lehnen wir entschieden ab", so Meyer, der gleichzeitig der Kulturdezernent der Stadt ist. Außerdem wolle sich die Stadt nicht erpressen lassen. "Wer illegale Wege beschreitet, bekommt sicher kein Gebäude von der Stadt zur Verfügung gestellt", sagt Oberbürgermeister Meyer.

Zukunft der Immobilie ist noch offen

Dass der jetzige Weg nicht legal ist - eine Hausbesetzung ist Hausfriedensbruch - , nimmt die Initiative bewusst in Kauf. Die Gruppe habe schon vorher mit Kampagnen versucht, auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen. Doch das habe nicht die gewünschte Wirkung gezeigt. Das Haus, das wegen eines riesigen Bleistifts in der Fassade von einigen Hildesheimern "Bleistifthaus" genannt wird, gehört einem Investor aus Hannover. Die Zukunft der Immobilie ist noch offen. Bis zum Ende des Monats ist es an die Universität Hildesheim vermietet, die es aber bereits nicht mehr nutzt, wie eine Uni-Sprecherin mitteilte. Doch weder Investor noch Universität sind Ziel der Besetzung. Das Haus habe sich einfach angeboten, sagt Cora Lieferd, Sprecherin der Initiative. Es stand leer, war groß genug. Deshalb entschloss sich die Initiative für eine öffentlichkeitswirksame Besetzung.

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Ihre Forderung hat die Initiative auch an das Haus gehängt.
Besetzer wollen ein Haus - legal und langfristig

Der Wunsch der Initiative ist es, langfristig und legal einen Ort für ihr alternatives Zentrum zu bekommen. Das könne ein anderer Raum sein, aber auch gerne das "Bleistifthaus". In einem ersten Gespräch habe sich der Eigentümer allerdings nicht erfreut gezeigt, habe abgeblockt, so die Sprecherin der Initiative. Ein Abriss des Gebäudes und der Bau eines Parkhauses hätten mal im Raum gestanden, derzeit seien die Pläne des Investors aber unbekannt. Eine Anfrage zum Sachverhalt von NDR.de blieb bisher unbeantwortet.

Stadt will Kulturhauptstadt Europas 2025 werden

Die Stadt denkt laut Oberbürgermeister Meyer momentan über ähnliche kulturelle Projekte nach. Besonders, weil sich Hildesheim für die Nominierung als Kulturhauptstadt Europas 2025 beworben hat. Noch befinde sich die Stadt aber in der Konzeptphase. Die Stadt hat den Aktivisten nun ein Gespräch angeboten. Die Initiative ist davon überzeugt, dass ihr Projekt den Ansprüchen der Auszeichnung entspreche.

Besetzer wollen bleiben

Am Montag hat sich die Gruppe bereits mit Vertretern der Grünen und der Linken im Stadtrat, einem Vertreter der grünen Jugend und einem Mitglied des Bundestags getroffen. "Uns wurde Unterstützung zugesagt. Wir bleiben gespannt, was das bedeutet", so die Initiative. Mittlerweile hat eine Künstlerin ihr Atelier in dem Haus eingerichtet, es gibt Graffiti-Workshops und als nächstes soll eine Bibliothek entstehen. Solange sich an der aktuellen Situation nichts ändere, sei für die Haubesetzer klar: "Wir bleiben."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.07.2018 | 08:30 Uhr

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