Stand: 17.04.2019 17:21 Uhr

Land: Jäger dürfen Wald nicht sperren

Die Wildschweine zerstörten momentan massiv Wiesen und Äcker, beklagen die Jäger.

Die Jagdgenossenschaft Sonnenborstel in der Gemeinde Steimke darf Bürgern nicht verbieten, nachts einen Wald im Landkreis Nienburg zu betreten. Das generelle Verbot sei nicht rechtmäßig, so das niedersächsische Landwirtschaftsministerium am Mittwoch. Eine Sperrung des Waldes durch eine Jagdgenossenschaft sei nicht möglich, hieß es. Grundsätzlich dürfe jeder Mensch die freie Landschaft, zu der auch der Wald gehöre, betreten und sich dort erholen. Zudem habe der zuständige Landkreis das Verbot nicht genehmigt. Das Ministerium führt das unter anderem auf Formfehler zurück. Hintergrund ist der Streit um den genehmigten Abschuss des Rodewalder Leitwolfs.

Wolfsschützer machen Lärm, um Wolf zu vertreiben

Die Jäger beklagen, Wolfsschützer streiften in der Gegend durch die Wälder und machten dabei laute Geräusche, um den Rüden zu vertreiben und auf diese Weise seinen Abschuss zu verhindern. Der Lärm schrecke wiederum die Tiere im Wald auf und behindere auch die Jagd auf Wildschweine. Deshalb hatte sich die Jagdgenossenschaft Sonnenborstel entschlossen, den Wald nachts zu sperren, und zwar zwischen 18 und 8 Uhr, zunächst bis Dienstag um Mitternacht. Einer der Wolfsschützer betonte gegenüber NDR 1 Niedersachsen, dass er und seine Mitstreiter nicht im Wald, sondern nur auf den Feldwegen am Rand unterwegs seien.

Wildschweine zerstören Wiesen und Äcker

Ziel des Betretungsverbots sei es nicht, endlich den Wolf zu erlegen, betonte Kreislandwirt Tobias Göckeritz bei NDR 1 Niedersachsen, bevor das Ministerium seine Rückmeldung gab. Die Abschussgenehmigung hatte der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) bereits zweimal verlängert, weil die Jäger den Rüden innerhalb der gesetzten Frist nicht erlegen konnten. Das eigentliche Ziel sei, mehr Wildschweine zu schießen. "Die Wildschweine zerstören momentan massiv unsere Wiesen und Äcker und richten erheblichen Schaden an", so Göckeritz. Durch die Jagdstörungen seien deutlich weniger Wildschweine erlegt worden. Zudem solle durch das Betretungsverbot verhindert werden, dass bei der Jagd Menschen verletzt werden.

Landkreis und Polizei sahen keine Handhabe gegen Störungen

Die Jäger hatten zuvor schon einen Antrag beim Landkreis gestellt und um Hilfe gebeten, um den Wald zumindest in den Nachtstunden wieder zu beruhigen. Dieser Antrag sei aber zurückgewiesen worden, so Göckeritz. Auch die Polizei sehe sich außerstande, die Störungen zu verhindern. "Das letzte Mittel, das uns nahegelegt worden ist, ist, ein Betretungsverbot für eine Woche auszusprechen", sagte Göckeritz. So wollten die Jäger wieder etwas mehr Ruhe in den Wald bringen und den Vollmond für die nächtliche Wildschweinjagd nutzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 17.04.2019 | 07:30 Uhr

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