Das Schloss Marienburg einer tief verschneiten Landschaft. (Luftaufnahme mit Drohne) © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

"Grober Undank": Ernst August will Marienburg zurück

Stand: 16.02.2021 19:12 Uhr

Ernst August Prinz von Hannover hat seinen Sohn verklagt. Die Liste der Vorwürfe ist lang - es geht auch um die Marienburg. Der 37-Jährige weist die Vorwürfe zurück. Die Klage sei "substanzlos".

Neben der Marienburg fordert Ernst August Senior auch weitere Immobilien zurück: das Hausgut Calenberg in der Gemeinde Pattensen-Schulenburg (Region Hannover) und das Fürstenhaus Herrenhausen in Hannover, wie das Landgericht mitteilte. Der 66-Jährige hatte seinem Sohn, Ernst August Erbprinz von Hannover, den Grundbesitz in den Jahren 2004 und 2007 geschenkt.

Grundlage der Klage: "Grober Undank"

Ernst August Senior beruft sich nach Angaben des Landgerichts darauf, dass sich sein Sohn "grob undankbar" verhalten habe. Der 37-Jährige habe sich "schwerwiegend an den Rechten, Rechtsgütern und Interessen des Klägers vergriffen", heißt es. So habe der Sohn "die Absetzung des Klägers als Vorstand der Familienstiftung betrieben" und hinter dem Rücken des Vaters versucht, das Vermögen des Hauses Hannover unter seine Kontrolle zu bringen. Er soll sich unter anderem der Familie gehörende Kunstwerke und Antiquitäten aus der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel und aus dem Historischen Museum Hannover unrechtmäßig angeeignet haben. Hierbei soll es sich um Gemälde, historische Kutschen und um eine Skulpturensammlung handeln. Außerdem wirft Ernst August seinem Sohn vor, dass er die Marienburg gegen seinen Willen für einen symbolischen Euro an das Land Niedersachsen verkaufen wollte. Des Weiteren soll er "den ahnungslosen Vater" dazu verleitet haben, "blind" eine Vollmacht zu unterzeichnen, mit der ursprünglich im Grundbuch vermerkte Rückübertragungsansprüche an Immobilien gelöscht worden seien, so das Gericht.

Festgenommen, weil Sohn sich nicht kümmerte?

Doch es geht auch um persönliches Fehlverhalten und persönliche Enttäuschung: Ernst August Senior wirft seinem Sohn vor, ihn - den "schwerkranken und abgeschieden" in einem Forsthaus in Österreich lebenden Vater - vernachlässigt und nicht unterstützt zu haben - auch als dieser Unterstützung einforderte. Nur deshalb sei er im vergangenen September festgenommen worden.

Sohn sieht gerichtlicher Auseinandersetzung "gelassen entgegen"

"Die Klage ist substanzlos und die darin enthaltenen Behauptungen sind falsch", heißt es in einer schriftlichen Mitteilung von Ernst August Erbprinz von Hannover. Einzelheiten wolle er mit Rücksicht auf die Familie nicht kommentieren, "auch zum Schutz meines Vaters". Es sei ihm aber wichtig, zu unterstreichen: "Etwaige Sorgen um die Zukunft von Schloss Marienburg wären völlig unbegründet. Die Rechtslage war diesbezüglich immer klar und ist es weiterhin." Die mit dem Land Niedersachsen gefundene Stiftungslösung sei rechtssicher abgeschlossen; dem langfristigen Erhalt der Marienburg als zentralem Kulturdenkmal Niedersachsens, das für alle öffentlich zugänglich bleibt, stehe nichts im Wege. Alle Argumente der Klage seien in der Vergangenheit bereits außergerichtlich entkräftet worden. "Vor diesem Hintergrund sehen wir auch einer gerichtlichen Auseinandersetzung gelassen entgegen." Einen Termin für eine Verhandlung gibt es noch nicht.

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Ernst August Prinz von Hannover auf dem Oktoberfest 2014. © dpa - Bildfunk Foto: Tobias Hase

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 16.02.2021 | 13:30 Uhr

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