Stand: 06.07.2016 19:12 Uhr

Bundespolizei: Betrunkenen misshandelt und ausgesetzt?

von Angelika Henkel und Stefan Schölermann

Gut ein Jahr nach den Vorfällen in der Wache der Bundespolizei am Hauptbahnhof Hannover erhebt der Anwalt eines der mutmaßlichen Opfer neue Vorwürfe. Diesmal geht es um die Frage, ob Beamte einen damals 54 Jahre alten Mann in einer kalten Nacht im Januar 2015 in hilfloser Lage ausgesetzt und sich damit strafbar gemacht haben könnten. Zwar hatte die Staatsanwaltschaft den Vorfall überprüft und das entsprechende Verfahren eingestellt. Doch der Anwalt des Mannes, Paulo Dias aus Hannover, geht auf der Grundlage widersprüchlicher Zeugenaussagen davon aus, dass der Fall nicht hinreichend aufgeklärt sei und deshalb vor Gericht verhandelt werden müsse. Es geht außerdem um die Frage, ob der Mann in polizeilicher Obhut geschlagen und verletzt worden ist. Einer der beteiligten Beamten war offenbar Torsten S. - gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft auch in anderen Fällen wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. Auch diese Verfahren wurden eingestellt.

Eine Rekonstruktion der Nacht

Konkret geht es um das Geschehen in der Nacht vom 17. auf den 18. Januar 2015. Aus  den Schilderungen eines Augenzeugen gegenüber dem NDR ergibt sich folgendes Bild: Es ist tief in der Nacht, als die Bewohner eines Einfamilienhauses im Stadtteil Bemerode durch Klingeln an der Haustür aus dem Schlaf gerissen werden. An der Tür steht ein Mann, der um Hilfe bittet. Nur einen Spalt breit öffnet der Hausherr (Name der Redaktion bekannt) die Haustür. Alkoholgeruch schlägt ihm entgegen, und ein Hilferuf. "Er bat darum, die Polizei zu rufen", sagt der Familienvater dem NDR. "Er hat gelallt und deutlich gewankt." Dieser Mann ist Hans-Dieter B., damals 54 Jahre alt. Hans-Dieter B. hat zwar einen festen Wohnsitz, wirkt aber auch aufgrund seines fast zahnlosen Mundes wie ein Obdachloser, er übernachtet oft draußen. Und er trinkt regelmäßig viel Alkohol. 

Weitere Informationen
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Im Januar 2015 wurde der damals 56-jährige Hans-Dieter B. nachts mit 2,4 Promille von der Polizei aufgegriffen - später fand man ihn mit einer blutenden Wunde im Gesicht. Video (06:22 min)

Zeuge bemerkt Verletzung am Kopf

Um 3.35 Uhr greift der Hausbesitzer nach eigener Aussage zum Telefon, wählt die Notrufnummer 110. Wenige Minuten später trifft ein Streifenwagen der Landespolizei ein. An Bord: Eine Beamtin und ihr Kollege. Der Hausbesitzer hat sich mittlerweile in den ersten Stock seines Gebäudes zurückgezogen. Vom Fenster im ersten Stock verfolgt er das Geschehen: "Die Beamten haben ihn mit ihrer Taschenlampe angeleuchtet. Da erkannte ich, dass er eine Verletzung am Kopf hatte. Der Mann wirkte hilflos", sagt er dem NDR. Hans-Dieter B. macht auf die Beamten einen desorientierten Eindruck. Er ist offenbar an der Schläfe verletzt, das Blut ist schon geronnen, schildert sein Anwalt Paulo Dias die Ermittlungslage.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 05.07.2016 | 19:30 Uhr

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