Ein nachgebildetes Gesicht ist Teil des Versuchsaufbaus in einem Zugabteil. © DLR

Corona-Studie: Maske reduziert Aerosol-Konzentration im Zug

Stand: 18.12.2020 17:57 Uhr

Strömungsforscher aus Göttingen haben die Ausbreitung von Aerosolen in einem voll besetzten ICE-Waggon untersucht. Ihr Ergebnis: Maske und Abstand verringern die Gefahr einer Corona-Infektion.

Herausgefunden haben das die Forscher vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem ICE-Test-Waggon der Deutschen Bahn. Dieser war mit 74 Dummys voll besetzt, einer von ihnen war laut Versuchsanordnung mit Corona infiziert. Hustet, niest, spricht oder atmet der Infizierte, verteilen sich Tröpfchen und die noch viel kleineren Aerosole in der Luft, die als Hauptübertragungsweg des Coronavirus gelten. Mithilfe von Gasen machten die Forscher die Atemwolken sichtbar und konnten so auch die Ausbreitung nachverfolgen.

Mit Maske verteilen sich weniger Aerosole

Die Forscher untersuchten, wie sich die Tröpfchen und Aerosole mit und ohne Mund-Nasen-Bedeckung verbreiten. Das Ergebnis: Trägt der Infizierte eine Maske, verteilen sich weniger Aerosole im Waggon und das auf kleinerer Fläche. "Diese Erkenntnis unterstreicht die Notwendigkeit, sie im Zug zu tragen und möglichst Abstand zu Mitreisenden zu halten", heißt es in einer Mitteilung des DLR. "Eine gut sitzende Maske ist absolute Pflicht - und der größtmögliche Abstand. Das sind die besten Möglichkeiten, sich selber zu schützen", sagte DLR-Strömungsforscher Daniel Schmeling im Gespräch mit NDR 1 Niedersachsen.

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Klimaanlage verdünnt Konzentration der Schwebeteilchen

Darüber hinaus haben die Forscher nachgewiesen, dass die Klimaanlage dazu beiträgt, dass sich weniger Aerosole im gesamten Abteil befinden. "Der hohe Anteil Frischluft, mit dem die Klimaanlage arbeitet, verdünnt die Konzentration der Aerosole deutlich", so das DLR. Nach Angaben der Forscher sind die Untersuchungen "auf einen Teil der ICE-Flotte sehr gut und auf viele andere Schienenfahrzeuge gut übertragbar". Allerdings müssten bei Fahrzeugen, die jetzt nicht untersucht wurden, deren Klimatisierungskonzepte berücksichtigt werden.

Mehr Kontrollen zur Maskenpflicht vor Weihnachten

Die Deutsche Bahn sieht ihr Hygienekonzept durch die Studie bestätigt. 99 Prozent der Fahrgäste halten sich nach Angaben eines Konzernsprechers an die Maskenpflicht. Nichtsdestotrotz seien gerade in der Weihnachtszeit verstärkt Bundespolizisten und Sicherheitskräfte der Deutschen Bahn in den Zügen unterwegs, um die Maskenpflicht auch bei den wenigen Fahrgästen durchzusetzen, die sich nicht daran hielten. Der Sprecher rechnet vor dem Fest zwar mit volleren Zügen, aber bei Weitem nicht mit so vielen Fahrgästen wie in den vergangenen Jahren.

Keine Aussage trifft die Studie der DLR-Forscher darüber, wie groß das generelle Risiko ist, sich im Zug mit Corona zu infizieren. Dazu müsse noch weiter geforscht werden, heißt es.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.12.2020 | 16:00 Uhr

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