Stand: 11.07.2018 20:00 Uhr

Forscher: Taube sollen mit Licht wieder hören

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An Wüstenrennmäusen haben die Göttinger Forscher das Verfahren mit Licht getestet.

Viele Menschen werden im Laufe ihres Lebens schwerhörig oder gar taub. Ein Grund: Die Haarzellen des Innenohrs werden geschädigt. Sie dienen der Schallverstärkung, beziehungsweise der Umwandlung des Schalls in elektrische Impulse, die ans Hirn geleitet werden. Neu gebildet werden können die Haarzellen nicht. Hilfe verspricht nun ein Verfahren eines Forscherteams der Göttinger Universitätsmedizin. In Zukunft wollen die Experten statt auf das herkömmliche elektrische Cochlea-Implantat auf ein optisches setzen.

Mit Lichtschalter in den Hör-Nervenfasern

Die Lösung ist Licht - davon sind die Wissenschaftler um den Leibniz-Preisträger Professor Tobias Moser überzeugt. Denn Licht lässt sich den Experten zufolge besser bündeln als der elektrische Reiz. Durch das optische Cochlea-Implantat soll also bald genaueres Hören möglich sein. Weil aber Hör-Nervenzellen nicht lichtempfindlich sind, haben die Forscher sozusagen einen Lichtschalter in die Hör-Nervenfasern von erwachsenen Wüstenrennmäusen eingebaut - mit Erfolg.

Wann beginnen Studien mit Menschen?

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Seit gut 30 Jahren im Einsatz: das elektrische Cochlea-Implantat.

Durch dieses Verfahren wird der Nerv und damit das gesamte Hör-System angeregt. Bisher können taube Patienten mit einem elektrischen Cochlea-Implantat Sprache verstehen. Aber nur grob und wenn es ruhig ist. Wenn es aber Geräusche im Umfeld gibt, wird das schwierig. Musik zu hören ist meist nicht möglich, weil die elektrischen Felder nur wenige Hörkanäle stimulieren. Über den Licht-Reiz soll den Göttinger Forschern zufolge fast natürliches Hören wieder möglich werden. Das soll zunächst an Primaten weiter getestet werden. Wann die ersten klinischen Studien mit Menschen beginnen können, steht noch nicht fest.

Mit feinem Draht bis an die Hörschnecke

Cochlea-Implantate gibt es seit gut 30 Jahren. Ein kleines Mikrofon wird über eine Steuerungselektronik und Elektroden mit dem Gehör verbunden. Dabei führt ein feiner Draht bis an die Hörschnecke, den Ort im Ohr, an dem normalerweise Schallwellen in Nervenimpulse umgesetzt werden. Dort senden die Elektroden elektrische Impulse. Die Hörschnecke wird stimuliert und schickt Signale an das Gehirn.

Weitere Informationen

Forscher verbessern Implantat für Gehörlose

An der Medizinischen Hochschule Hannover haben Ärzte ein weltweit einzigartiges Verfahren entwickelt, das die Wirkung von Cochlea-Implantaten verbessert. (24.08.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 19.07.2018 | 07:30 Uhr

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