Eine Person verstaut Dinge in Schachteln. © Landesmuseum Braunschweig Foto: Anja Pröhle

Braunschweig: Ein Landesmuseum zieht um

Stand: 26.10.2020 07:17 Uhr

Eines der größten Geschichtsmuseen Deutschlands, das Braunschweigische Landesmuseum am Burgplatz, zieht um. Es ist ein Auszug auf Zeit, denn im Haus steht eine millionenschwere Modernisierung an.

von Claudia Gorille

Für 48 Millionen Euro soll gebaut werden, eine Kernsanierung steht an. Darunter: eine zeitgemäße Klimaanlage, ein modernes Beleuchtungskonzept, ein neues Glasdach, eine attraktive Museumstechnik. Im Gesicht von Direktorin Heike Pöppelmann ist Begeisterung zu sehen. Dass ihr Museum nach 35 Jahren Stillstand ein solches Facelifting erhält, freut sie ungemein. 

300.000 Objekte müssen verstaut werden

Der Umzug sei eine große logistische Herausforderung, so Pöppelmann. Seit Jahren laufen die Vorbereitungen. Nicht nur der Umfang ist enorm. 300.000 Objekte müssen sicher verstaut werden, auch die Anforderungen an das Verpackungs- und Transportmaterial sind besonders. Die Folien dürfen nichts ausdünsten, denn das würde Objekte beschädigen. Die Paletten müssen neu sein, damit nicht etwa ein Holzbock mit umzieht

Alles muss auf die Paletten

Puppen liegen eingepackt in einer Schachtel. © Landesmuseum Braunschweig Foto: Anja Pröhle
Jede Puppe bekommt eine eigene Schachtel - so sollen Schäden an den Objekten vermieden werden.

"Die Paletten - sie sind das Maß aller Dinge", sagt Pöppelmann. Alles muss auf die Maße einer Palette reduziert und gestapelt werden. Denn um die Kisten und Kästen und Objekte aus dem Museum abzutransportieren, werden Gabelstapler eingesetzt. Und so stehen jetzt in den einstigen Ausstellungsräumen Paletten über Paletten mit dunkelgrauen oder hellgrauen Kartons, mit grauen Kunststoffkisten oder roten. "Die Roten heißen 'Achtung - sehr zerbrechlich'", sagt Pöppelmann beim Rundgang.

"Gips reißt schnell"

Im Zweiten Stock verpacken die Restauratorinnen Carla Leupold-Belter und Julia Tomiatti-Kleinwächter die vielen Hundert Büsten aus Speckstein und Gips. "Gips fühlt sich hart an, ist aber empfindlich und reißt schnell", sagt Leupold-Belter. Sie und ihre Kollegin haben deshalb spezielle Holzkisten gebaut, in denen die Skulpturen stoßsicher lagern. Eine Herausforderung ist auch der Umzug der rund 1.000 Gemälde. "Jedes Bild wird eingehend untersucht, es wird ein Zustandsbericht erstellt", sagt Direktorin Pöppelmann. Erst danach wird es verpackt. Und auch hier ist spezielle Folie im Spiel: ein atmungsaktives Vlies aus Polyethylen. 

Zwischen "Trabbi" und Pistolenkugeln

Fingerspitzengefühl und Kreativität sind überall gefragt. Beim 400 Kilogramm schweren Trabant, der aus den Ausstellungsräumen im zweiten Obergeschoss irgendwie ins Erdgeschoss transportiert werden muss, genauso wie bei der kleinen Gewehrkugel, die Herzog Carl Wilhelm Ferdinand im Jahr 1806 schwer verletzte. Natürlich soll nichts verloren gehen oder beschädigt werden. Apropos Gewehre: Die umfangreiche historische Sammlung ist schon in Kisten verpackt und für den Umzug gibt es Geleitschutz von der Polizei.

Die Spannung steigt am Burgplatz

Alle Objekte kommen in ein Depot. Heute geht's los. "Die Spannung steigt", sagt Pöppelmann. Fünf bis sechs Jahre wird die Sanierung dauern. "Unsere Besucherinnen und Besucher müssen in der Zeit der Baumaßnahmen aber nicht auf das Museum verzichten", so die Direktorin weiter. "Wir haben uns Ausweichquartiere gesucht. Zurzeit läuft eine Sonderausstellung in den Räumen der Kirche St.-Ulrici-Brüdern. Aber jetzt steht erst einmal der Umzug im Fokus. "Alles muss raus", lautet die Devise. Heute soll der erste Lastwagen ins Depot rollen, in ein paar Wochen werden alle Räume leer sein und die Schritte auf dem Holzparkett ungewohnt laut hallen. Das gute alte Parkett - auch das wird ein Make-up erhalten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 26.10.2020 | 08:00 Uhr

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