Stand: 26.05.2018 16:59 Uhr

Archäologen lassen Römerlager erst mal in Ruhe

Legionärsdolche, Werkzeuge und Münzen, Schmuck und Keramik: Das 2003 entdeckte Römerlager bei Hedemünden im Landkreis Göttingen ist ein wahrer Schatz für Archäologen. Allein rund 3.000 Metallgegenstände haben die Experten zutage gefördert. Dennoch: Der Großteil der Anlage ist noch völlig unerforscht. "Vieles, darunter der 40 mal 40 Meter große Zentralbau, wurde noch gar nicht angefasst und liegt unberührt im Boden", sagte der frühere Göttinger Kreisarchäologie Klaus Grote, Entdecker des Lagers. Und das soll auch so bleiben.

Verborgene Schätze bleiben verborgen

"Grabung bedeutet Zerstörung der archäologischen Substanz"

Kaum zu glauben, aber den Fachleuten genügen die gewonnenen Erkenntnisse. "Archäologen versuchen - für Außenstehende verblüffend - möglichst nicht zu graben", erklärt der niedersächsische Landesarchäologe Henning Haßmann. "Denn auch eine Grabung bedeutet eine Zerstörung der archäologischen Substanz." Deswegen werde voraussichtlich nur weitergemacht, wenn der Boden durch ein Unwetter, Tiere oder Forstarbeiten ohnehin aufgerissen sei. In diesem Fall allerdings seien interessante Funde zu erwarten.

25 Hektar großer Stützpunkt mit Außenposten

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Lager in den Jahren elf bis sieben vor Christus als Stützpunkt und logistische Basis für Feldzüge gegen die Germanen genutzt wurde. Neben dem großen Zentralbau umfasste die Anlage weitere Bauwerke sowie Schutzwälle, Gräben, Tore und Palisaden. Insgesamt war der Römerstützpunkt vermutlich 25 Hektar groß. Darüber hinaus sind Standorte mehrerer Außenposten gefunden worden, wo Legionäre einst Wache gehalten haben dürften. Darauf weisen eiserne Nägel hin, mit denen die Sohlen an den Sandalen der Legionäre befestigt waren. Diese Beschlagnägel fielen häufig ab - ein Glück für die Forscher von heute.

Wichtige Entdeckung - auch ohne weitere Grabung

"Der Stützpunkt Hedemünden war für die Römer ein wichtiger Trittstein auf ihrem Weg in den germanischen Norden", sagt Haßmann. Der Platz habe sicherlich eine wichtige Rolle zur Sicherung des Werra-Übergangs und zur Versorgung der Truppe gespielt. Dennoch: Momentan ist er zufrieden mit dem, was bislang bekannt ist. "Für die aktuelle Forschungsdiskussion genügen die Bodenaufschlüsse der vergangenen Jahre", sagt Haßmann.

Weitere Informationen

Auf den Spuren der Römerschlacht am Harzhorn

Germanen und Römer lieferten sich um 235 nach Christus in Südniedersachsen einen blutigen Kampf. Jetzt bietet das Schlachtfeld einen spannenden Einblick in die Frühgeschichte. mehr

Mythos Varusschlacht

Mit einer List besiegen die Germanen unter Arminius im Jahr 9 die Truppen des römischen Feldherrn Varus. Die Schlacht wird in der deutschen Geschichte später mythisch verklärt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.05.2018 | 15:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:10
Hallo Niedersachsen

Neuer Missbrauchsfall im Bistum Osnabrück

16.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
03:48
Hallo Niedersachsen

Wenn das Weihnachtsgeschenk beim Zoll landet

16.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
04:32
Hallo Niedersachsen

Terrorprozess vor dem Oberlandesgericht Celle

16.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen