Stand: 09.10.2019 21:38 Uhr

Weil zu Halle: "Angriff auf unsere Gesellschaft"

Die tödlichen Schüsse vor einer jüdischen Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt) haben für Entsetzen bei Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gesorgt. "Es macht mich fassungslos und betroffen, dass Menschen jüdischen Glaubens an ihrem höchsten Feiertag Jom Kippur in Trauer, Angst und Schrecken versetzt wurden und Synagogen unter besonderen Polizeischutz gestellt werden mussten", sagte Weil. Angriffe auf jüdische Einrichtungen, insbesondere auf Synagogen, erinnerten ihn an die dunkelste Phase der deutschen Geschichte. "Gerade vor diesem Hintergrund handelt es sich um einen Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft. Wir müssen in Solidarität für unser friedliches Zusammenleben einstehen."

Gedenkfeier nach Attacke auf jüdische gemeinde.

Niedersachsen reagiert auf Anschlag von Halle

Hallo Niedersachsen -

Nach den tödlichen Schüssen von Halle (Saale) hat die Polizei den Schutz für jüdische Einrichtungen verstärkt. In Hannover fand eine spontane Solidaritätskundgebung statt.

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Auch Althusmann verurteilt Tat

CDU-Landeschef Bernd Althusmann twitterte, die Nachrichten aus Halle machten gerade am höchsten jüdischen Feiertag tief betroffen. "Hass und Gewalt gegenüber Menschen anderer Herkunft oder Religion sind aufs Schärfste zu verurteilen", schrieb er. Innenminister Boris Pistorius (SPD) kündigte an, den Schutz jüdischer Einrichtungen im Land zu verstärken. "Auch wenn mir für Niedersachsen aktuell keine konkreten Bedrohungen gegenüber jüdischen Einrichtungen bekannt sind, haben wir unsere Sicherheitsmaßnahmen umgehend nochmals intensiviert", sagte er. Die Tat am jüdischen Versöhnungstag sei "ein besonders perfider Angriff auf unsere gesamte Gesellschaft".

Polizei führt bei Lehrte Kontrollen auf A2 durch

Ein Sprecher der Polizei Hannover bestätigte am Abend gegenüber NDR.de, dass man aufgrund der Vorfälle in Halle die Präsenz in der Region erhöht habe und stichprobenartige Kontrollen auf der A2 durchgeführt worden seien. Deshalb habe man bei Lehrte die Autobahn einspurig verjüngt und Sichtkontrollen durchgeführt. Über deren Ergebnis sagte der Sprecher nichts. Ein dadurch ausgelöster Stau habe sich nach kurzer Zeit wieder aufgelöst. Am Abend vermeldete die Polizei in Sachsen-Anhalt die Festnahme eines 27-Jährigen. Nach Angaben des Innenministeriums in Hannover habe sich Niedersachsen mit offenen und verdeckten Maßnahmen an der Fahndung beteiligt. Das Landeskriminalamt sei beauftragt, die Gefährdung jüdischer Einrichtungen im Land fortlaufend zu bewerten, sagte eine Sprecherin. Örtliche Polizeidienststellen seien sensibilisiert worden, Kontakt mit den jüdischen Gemeinden aufzunehmen.

50 Teilnehmer bei Solidaritätskundgebung in Hannover

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"Wo Juden angegriffen werden, werden Menschen jeden Glaubens angegriffen", sagte Margot Käßmann (Archivfoto).

Zu einer Solidaritätskundgebung mit der Theologin Margot Käßmann in der evangelischen Marktkirche in Hannover kamen am Abend rund 50 Personen. Käßmann sagte, sie sei schockiert, dass sich der Antisemitismus wieder in Deutschland breitgemacht habe. "Wo Juden angegriffen werden, werden Menschen jeden Glaubens angegriffen", betonte die frühere hannoversche Landesbischöfin und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Im Gedenken an die Opfer von Halle und an die Großdemonstration in Leipzig am 9. Oktober 1989 zogen die Teilnehmer mit Kerzen von der Marktkirche zum Mahnmal der im Krieg zerstörten Aegidienkirche.

Meister: Beschämend, dass Juden um ihr Leben fürchten müssen

Der evangelische Landesbischof Ralf Meister sagte: "Die Taten von Halle machen mich fassungslos und traurig." Es beschäme ihn zutiefst, "dass Jüdinnen und Juden in unserem Land an Jom Kippur und 81 Jahre nach der Reichspogromnacht um ihr Leben fürchten müssen". Das sei unerträglich: "In unserem Land kann es solange keine Normalität geben, wie Antisemitismus und Gewalt gegen Jüdinnen und Juden existieren."

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.10.2019 | 19:30 Uhr

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