An zwei Stadtbahnen der Üstra ist ein Schild mit der Aufschrift "Warnstreik" befestigt. © picture alliance Foto: Holger Hollemann

Warnstreik: Busse und Bahnen stehen vielerorts wieder still

Stand: 07.10.2020 23:00 Uhr

In Niedersachsen und Bremen haben am Mittwochmorgen rund 3.500 Beschäftigte von Nahverkehrsunternehmen die Arbeit niedergelegt. Hintergrund ist der Streit um einen bundesweiten Tarifvertrag.

Die Gewerkschaft Ver.di zeigte sich mit dem Verlauf der Aktion zufrieden. Die Bereitschaft bei Bus- und Stadtbahnfahrern in Hannover, Braunschweig, Göttingen, Wolfsburg, Goslar und Bremen sei ähnlich groß wie beim Ausstand in der vergangenen Woche, sagte ein Sprecher während des Warnstreiks. Kundgebungen gab es wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht.

Weniger Busse und Bahnen - deutlich mehr Verkehr

Von der Üstra in Hannover wurden die Bus- und Bahnverbindungen bis Donnerstag um 1 Uhr abgesagt. S-Bahnen und das Unternehmen Regiobus waren nicht betroffen. In der Stadt sei das erhöhte Verkehrsaufkommen durch Autos und Radfahrer vor allem am Mittwochmorgen spürbar gewesen, sagte eine Polizeisprecherin. Es habe deutlich mehr Verkehr und auch mehrere Unfälle mit Verletzten gegeben. Auch in Braunschweig entfiel am Mittwoch im gesamten Netz der Linienverkehr, wie die Verkehrsbetriebe BSVG mitteilten.

Bundesweiter Tarifvertrag gefordert

Ver.di will mit den Aktionen einen bundesweiten Tarifvertrag für die rund 87.000 ÖPNV-Beschäftigten durchsetzen, um beispielsweise Arbeits- und Urlaubszeiten einheitlich zu regeln. Die Arbeitgeber wollen darüber bislang nicht verhandeln. Weitere Warnstreik-Aktionen seien deshalb in den nächsten Wochen nicht ausgeschlossen, sagte der Sprecher. Man wolle den Arbeitskampf eigentlich nicht auf dem Rücken der Fahrgäste austragen, aber die Arbeitgeber ließen keine andere Wahl.

Arbeitgeberverband spricht von "Zumutung für Bevölkerung"

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verwies darauf, dass die 16 kommunalen Arbeitgeberverbände für die Tarifverhandlungen zuständig seien. Der Spitzenverband sei dazu nicht befugt. "Die Warnstreiks sind nicht nur eine Zumutung für die Bevölkerung, sondern auch für die krisengeplagten Nahverkehrsunternehmen, die enorme Einnahmeverluste im Zuge der Corona-Krise zu verkraften haben", sagte Thomas Wissgott von der VKA.

Am Freitag keine Müllabfuhr in Hannover

Im zweiten Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes waren am Dienstag unter anderem Kitas in Hannover, die Sparkasse in Stade und die Klinik in Lüneburg bestreikt worden. Laut ver.di gab es zudem kleinere Warnstreiks in Hameln, Scharnebeck (Landkreis Lüneburg) sowie bei der Stadt Stade, der Agentur für Arbeit in Stade und der Sparkasse Stade. Am Freitag will die Gewerkschaft die Müllabfuhr in Hannover und im Umland lahmlegen.

Am 22. Oktober gehen die Gespräche im Tarifstreit weiter. Mitte September waren diese ergebnislos beendet worden. Die Gewerkschaften fordern von Bund und Kommunen unter anderem 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.10.2020 | 12:00 Uhr

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