Nur wenige Menschen sind in Hannovers Innenstadt im Lockdown unterwegs. © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

Vor Beratungen: Physikerin fordert harte Maßnahmen

Stand: 19.01.2021 07:18 Uhr

Die Physikerin Viola Priesemann hat sich im Corona-Sonderausschuss des Niedersächsischen Landtags für einen kurzen, harten Lockdown ausgesprochen. Bund und Länder beraten heute über die Pandemie-Lage.

Die Wissenschaftlerin vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sagte, die Politik müsse sich klar entscheiden, ein Kompromiss helfe nicht weiter. Durch entsprechend harte Maßnahmen könnten die Fallzahlen schnell auf ein niedriges, für die Gesundheitsbehörden nachverfolgbares Niveau gesenkt werden. Aus ihrer Sicht ist man von Lockerungen noch weit entfernt.

Priesemann: Inzidenzwert auf unter 20 senken

"Entweder ein Feuer ist unter Kontrolle, oder das Feuer ist außer Kontrolle", so Priesemann in Hannover. Man wisse aus der Erfahrung des vergangenen Sommers, dass man eine Kontrolle habe, wenn der Inzidenzwert deutlich unter 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tage ist. Wenn Bundesländer deutlich unter einer Inzidenz von 50 - am besten im Bereich von 10 bis 20 - lägen und den Gesundheitsämtern tatsächlich wieder die Kontaktnachverfolgung gelinge, könne man anfangen über Lockerungen nachzudenken, so Priesemann. Allerdings müsse man vorsichtig vorgehen, um den Erfolg nicht zu verspielen.

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Physikerin wirbt für langfristige Strategie

Für Priesemann ist wichtig, das jetzt etwas getan wird und nicht erst in vier Wochen. Zudem müsse es eine langfristige Strategie geben, sagte sie. Ein klares Ziel würde sicherlich helfen, die Motivation und das Verständnis in der Bevölkerung zu verbessern. Wenn ein Ziel klar kommuniziert und dann auch gesagt werde, dass man dann entsprechend lockern könne - dass man nicht nur einen Schließplan, sondern auch einen Lockerungsplan habe - würde aus ihrer Sicht helfen, die Menschen mitzunehmen und zu gewinnen. Aktuell sei die Herausforderung, dass es kein einheitliches Ziel gebe. "Orientieren wir uns jetzt langfristig für die nächsten Monate an der Krankenhauskapazität oder orientieren wir uns daran, dass wir eine Kontrolle über das Pandemie-Geschehen haben wollen?", fragte Priesemann.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.01.2021 | 17:00 Uhr

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