Stand: 24.03.2019 12:12 Uhr

Unter dem Soll: Masernimpfungen sind rückläufig

Die Quoten der Schulanfänger in Niedersachsen, die zwei Mal gegen Masern geimpft sind. (Grafik)

Erst Hildesheim, dann Hannover: Die Masern sind auf dem Vormarsch in Niedersachsen. Mediziner kontrollieren an betroffenen Schulen die Impfpässe der Schüler. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) fordert bereits eine Impfpflicht. Masernerkrankungen seien extrem ansteckend und potenziell tödlich, hieß es. Doch wie sieht es aus mit der Impfquote im Land? Niedersachsenweit lag die Zahl der sogenannten Durchimpfung im Jahr 2017 bei 93,3 Prozent. Zur Erläuterung: Untersucht werden Schulanfänger und maßgeblich ist die zweite Impfung. Von einer "Ausbreitungsbarriere" spricht man laut Landesgesundheitsamt erst ab einer Quote von 95 Prozent. Aber: Die Zahl sinkt. Denn im Jahr 2014 lag der Wert im niedersächsischen Durchschnitt noch bei 94,2 Prozent.

Schlusslicht Osnabrück - Spitzenreiter Holzminden

Ein Blick auf die einzelnen Kommunen. Die meisten Schüler in Niedersachsen waren 2017 im Landkreis Holzminden zwei Mal gegen Masern geimpft. Mit 97,5 Prozent findet sich hier der landesweite Spitzenwert. Es folgen der Landkreis Grafschaft Bentheim (97,2 Prozent) und der Landkreis Peine (97,1). Deutlich weniger geimpfte Schulanfänger gibt es dagegen im Landkreis Osnabrück (89,8) - der drittschlechteste Wert im Land. Noch weniger geimpft wurde 2017 lediglich im Landkreis Lüchow-Dannenberg (87,3) und in der Stadt Osnabrück. Das Schlusslicht weist eine Durchimpfungsquote von lediglich 85,5 Prozent auf. Das ist ein Wert, der zwar im Jahr 2017 negativ heraussticht - vor elf Jahren wäre es fast noch ein Durchschnittswert gewesen.

Impfquote von 90,3 Prozent im Jahr 2008

Damals, im Jahr 2008, waren in Niedersachsen durchschnittlich 90,3 Prozent aller Schulanfänger mit zwei Impfungen gegen Masern gewappnet. Dieser Wert ist in neun Jahren bis zum Jahr 2017 demnach um drei Prozentpunkte angestiegen. Am niedrigsten waren die Quoten in den Landkreisen Osterholz (81,9), Lüchow-Dannenberg (82,3) und Cuxhaven (85). Damals schon verhältnismäßig hohe Impfquoten gab es dagegen in den Landkreisen Vechta (94,6) und Peine (95,8) sowie in der Stadt Salzgitter (96,2). In der Region Hannover lagen die Zahlen im Jahr 2008 bei 92,2 Prozent und im Jahr 2017 bei 93,5 Prozent. Im Landkreis Hildesheim stieg der Wert von 92,1 Prozent (2008) auf 94 Prozent (2017).

Bislang 35 Fälle von Masern im Jahr 2019

Nach Angaben des Landesgesundheitsamtes stehen nicht alle niedersächsischen Fälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch in Hildesheim und Hannover. Aus mindestens acht weiteren Landkreisen wurden Fälle gemeldet. Der Behörde in Hannover wurden im Jahr 2019 bislang 35 übermittelt - deutlich mehr als im gesamten Jahr 2018. "Es ist ganz wichtig, dass bei jedem Einzelfall die erforderlichen Maßnahmen des Infektionsschutzes vor Ort umgesetzt werden, um eine weitere Ausbreitung der Masern in Niedersachsen zu verhindern", sagte der Leiter des Landesgesundheitsamtes. Nicht nur Kinder seien betroffen: Für Menschen, die nach 1970 geboren seien, aber noch keine Masern gehabt hätten, sei es wichtig, sich auch im Erwachsenenalter noch einmal impfen zu lassen.

Die komplette Übersicht über die Impfquoten in Niedersachsen gibt es auf der offiziellen Webseite des Landesgesundheitsamtes.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.03.2019 | 08:00 Uhr

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