Stand: 25.03.2019 17:20 Uhr

Unfallstatistik: Doppelt so viele Tote auf der A2

Die A2 ist ein Unfallschwerpunkt in Niedersachsen. Im vergangenen Jahr starben dort 24 Menschen, im Jahr zuvor waren es elf. (Themenbild)

417 Menschen haben im vergangenen Jahr in Niedersachsen ihr Leben bei Verkehrsunfällen verloren. Damit ist die Zahl der Verkehrstoten von 403 im Vorjahr wieder leicht angestiegen. Zuletzt waren die Todesfälle leicht rückläufig. Einen besonders hohen Anstieg gab es 2018 auf Autobahnen, wie Innenminister Boris Pistorius (SPD) bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik am Montag berichtete. Dort sei die Zahl der Verkehrstoten von 2017 auf 2018 um 55,3 Prozent auf 59 gestiegen. Schwerpunkt ist demnach der 150 Kilometer lange Abschnitt der A2. Dort verloren 24 Menschen ihr Leben (zuvor 10), 478 wurden verletzt (zuvor 394). Ein Großteil der Unfälle habe sich im Zusammenhang mit Baustellen ereignet.

Sicherheitsmaßnahmen greifen noch nicht

Maßnahmen des Verkehrsministeriums für eine bessere Baustellensituation und mehr Sicherheit auf der A2 griffen noch nicht optimal, sagte Pistorius. "Ein bisschen mehr Wirkung hätte ich mir natürlich erhofft." Um die Unfallzahl zu senken, hatte Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) schnellere Arbeiten und einen Verzicht von Fahrstreifensperrungen angekündigt. Eine Untersuchung von A2-Baustellen hatte ergeben, dass es insbesondere vor Baustellen zu Unfällen kommt, wo die Zahl der Fahrstreifen reduziert wird und deshalb der Verkehr stockt.

Können feste Radarfallen Unfälle verhindern?

"Jeder Mensch, der sein Leben im Straßenverkehr verliert, ist einer zu viel", sagte der Innenminister. Da sei es nur ein geringer Trost, dass die Zahlen im Zehnjahresvergleich gering ausfielen. Bei Unfällen mit Bäumen und generell bei Unfällen auf Landstraßen habe es 2018 sogar einen historischen Tiefstand in Niedersachsen gegeben. Um die Sicherheit auf den Autobahnen zu erhöhen, werde in den kommenden Monaten über die Installation fester Radarfallen in Dauerbaustellen beraten, kündigte Pistorius an. Prinzipiell sei es auch eine Option, die Schilderbrücken an der A2 in der Zukunft für das Installieren von Abstandsradar-Anlagen zu nutzen, sagte der Minister.

"Unfälle passieren nicht einfach"

Die A2 sei eine extrem belastete Autobahn mit einer hohen Dichte von Baustellen und einem enormen Verkehrsaufkommen. "Und offenbar auch mit vielen Autofahrerinnen und Autofahrern, die dann ihr Fahrverhalten nicht der Verkehrssituation anpassen", betonte Pistorius. "Denn das bleibt die Quintessenz auch dieser Statistik: Unfälle passieren nicht einfach, sondern sie werden von Menschen verursacht, die Fehler machen, fahrlässig sind oder womöglich sogar rücksichtslos."

Liberale kritisieren Baustellen-Management

Für die vielen tödlichen Unfälle an Baustellen macht die FDP das schlechte Management der Landesregierung verantwortlich. "Wir haben viel zu viele Baustellen, die zu lange da sind, und deren Beschilderung nicht optimal ist", sagte der Abgeordnete Jörg Bode dem NDR. Auf Hauptverkehrsstraßen wie A2, A1 und A7 sei es sinnvoller, 24-Stunden-Baustellen einzurichten und diese besser und digital auszuschildern. Zudem seien verstärkte Polizeikontrollen bei Lkw und deren Ladung ein wichtiger Baustein.

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Viele Unfälle mit E-Bikes

Auch die Zahl der auf Niedersachsens Straßen getöteten Radfahrer ist im Vergleich zum Vorjahr von 48 auf 60 deutlich gestiegen. 19 der Verunglückten waren auf einem E-Bike unterwegs. Die Elektro-Fahrräder sind immer häufiger in Unfälle verwickelt. So verdoppelte sich die Zahl der leicht verletzten E-Biker nahezu von 476 im Jahr 2017 auf 812 im Jahr 2018. 218 E-Radfahrer wurden schwer verletzt - im Vorjahr waren es 132. Laut Statistik sind viele der Opfer ältere Menschen. "Wir müssen gerade ältere Pedelec-Fahrer noch intensiver auf die Gefahren des leichten Fahrens aufmerksam machen, die Statistik ist hier eindeutig", sagte Pistorius. Präventions-Maßnahmen wie etwa Fahrtrainings für Menschen ab 65 Jahren würden derzeit entwickelt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hatte das niedersächsische Innenministerium für das 2017 von elf tödlich verunglückten Menschen auf der Autobahn 2 berichtet. Das Ministerium hat seine Angaben inzwischen auf zehn Verkehrstote korrigiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.03.2019 | 12:00 Uhr