Stand: 02.04.2019 09:41 Uhr

Studie: Gewalt unter Jugendlichen nimmt zu

Fast jeder fünfte Neuntklässler hat laut Studie schon mal jemanden verletzt, erpresst oder überfallen. (Themenbild)

Die Gewaltbereitschaft unter Jugendlichen in Niedersachsen nimmt zu. Das zeigt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, über die NDR 1 Niedersachsen berichtet. Für die Studie wurden seit 2013 im Zwei-Jahres-Abstand jeweils rund 9.000 Neuntklässler befragt. Bei der jüngsten Umfrage im Jahr 2017 gab mehr als jeder vierte Befragte an, in seinem Leben schon einmal Opfer von Gewalt geworden zu sein. Fast jeder fünfte gab an, selbst schon einmal jemanden verletzt, erpresst oder überfallen zu haben. Das sind rund 18 Prozent der 2017 befragten Neuntklässler - drei Prozentpunkte mehr als 2015. Außerdem fanden die Forscher heraus, dass Schüler inzwischen häufiger Messer oder Pfefferspray bei sich tragen.

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KFN: Neuer Forschungsbericht zur Jugendkriminalität

Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen hat eine neue Studie veröffentlicht. Diese beschäftigt sich mit Jugendlichen, deren Freizeitverhalten und Beziehung zu Gewalt. extern

Migranten und Hauptschüler besonders betroffen

Laut Studie werden Jungen häufiger gewalttätig als Mädchen. Zudem seien Schüler mit Migrationshintergrund häufiger sowohl unter den Tätern wie auch unter den Opfern gewesen als ihre Mitschüler. Gleiches gilt laut Studie für Hauptschüler im Vergleich zu Gymnasiasten. Eins gilt allerdings für alle Gruppen: Die Gewalt hat in den untersuchten fünf Jahren leicht zugenommen. "Über die Schultypen hinweg sehen wir solche Anstiege, unabhängig vom Migrationshintergrund der Jugendlichen und unabhängig vom Geschlecht", sagte Sören Kliem vom Forschungsinstitut.

50 Prozent waren schon mal Cyber-Mobbing-Opfer

Auffällig ist bei der Studie auch, dass sich die Gewalt zunehmend in den virtuellen Raum verlagert. Fast die Hälfte (49,5 Prozent) der Neuntklässler wurde schon einmal über das Handy oder über soziale Medien bedroht, beleidigt oder bedrängt. Bei der ersten Umfrage 2013 waren es noch 40 Prozent. Andrea Buskotte von der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen weiß, dass es vor allem Mobbingopfern schwer fällt, darüber zu reden. Mobbing drücke sich oft nicht in körperlichen Attacken aus, sondern geschehe auf subtiler Ebene. "Die zentrale Aufgabe von Erwachsenen ist, dass sie die Augen offen halten und mitbekommen, wenn sich Gewalt gegen einzelne Schüler richtet", sagte sie. Dabei sei es wichtig, dass Lehrer und Schulsozialarbeiter sensibel dafür sind, wenn sie Hilferufe oder auch Hilflosigkeit bemerkten, so Buskotte. Kindern und Jugendlichen rät Buskotte darauf zu achten, welche Daten sie im Internet preisgeben und sich damit nicht allzu verletzlich zu machen.

Land beschäftigt 1.050 Sozialarbeiter an Schulen

Derzeit beschäftigt das Land Niedersachsen 1.050 Schulsozialarbeiter an rund 950 Schulen aller Schulformen, wie die Landesschulbehörde mitteilte. Ziel sei es, die Zahl bis zum Jahr 2021 auf rund 1.200 sozialpädagogische Fachkräfte an 1.100 Schulen zu erhöhen. Darin sei die Zahl der beim Schulträger beschäftigten Sozialarbeiter nicht inbegriffen. Darüber hinaus hätten alle Schulen in Niedersachsen ein Sicherheits- und Präventionskonzept, das helfen solle, Gewalt im Vorfeld zu verhindern, so die Landesschulbehörde. Außerdem könnten Schüler und Lehrkräfte an landesweiten Präventionsprojekten teilnehmen.

Buskotte: "Gewalt lässt sich nicht ganz verhindern"

Dass sich Mobbing oder Gewalt ganz verhindern lassen, glaubt Buskotte nicht. "Es gehörte immer schon zur Entwicklung von Jugendlichen dazu, sich auch aggressiv auseinanderzusetzen." Erziehung vermittele Kindern und Jugendlichen, sich friedfertig auseinanderzusetzen und zu verhandeln, wenn es Konflikte gibt. Gelinge dies an einigen Stellen nicht, müssten Erwachsene eingreifen. Ziel sei es, Jungen und Mädchen immer wieder dazu zu motivieren, Konflikte fair und gewaltfrei auszutragen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.04.2019 | 08:00 Uhr

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