Stand: 30.12.2019 11:40 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Seit 2001: 52 Kinder in Babyklappen gelegt

Das Babykörbchen des Frederikenstifts mit Beschilderung. © dpy Bildfunk Foto: Holger Hollemann
In Niedersachsen gibt es Babyklappen in fünf Städten, wie diese am Friederikenstift in Hannover.

Der Fund eines ausgesetzten Säuglings Anfang Dezember in Stade hat bundesweit viele Menschen bewegt. Hätten Passanten das schreiende Baby nicht gehört und daraufhin die Rettungskräfte alarmiert, wäre das kleine Mädchen in der Kälte wohl gestorben. Damit ungewollte Säuglinge nicht irgendwo ausgesetzt werden, gibt es in fünf niedersächsischen Städten und in Bremen sogenannte Babyklappen oder Babykörbchen. Für die Mütter ist es straffrei ihre Kinder dort abzugeben, anders als wenn sie sie einfach aussetzen würden. Die meisten dieser Vorrichtungen sind direkt an einem Krankenhaus, viele gibt es bereits seit 2001. Insgesamt 52 Neugeborene wurden bislang auf diesem Weg in Niedersachsen abgegeben und 25 in Bremen. In diesem Jahr waren es beispielsweise in Braunschweig vier Kinder und in Nordhorn eins.

Babyklappen in Niedersachsen und Bremen
Stadt, Name der EinrichtungBestehen seitabgelegte Babys insgesamtabgelegte Babys 2019
Braunschweig, Krankenhaus Marienstift2001124 (Stand 17.12.2019)
Bremen, St. Joseph-Stift2002251 (Stand 03.01.2020)
Hannover, Krankenhaus Friederikenstift200117noch keine Angaben
Nordhorn, Sozialdienst katholischer Frauen2001101
Osnabrück, Christliches Kinderhospital20018noch keine Angaben
Rotenburg, Diakonieklinikum201050 (Stand 17.12.2019)

Nordhorn: Erstes Kind in Babyklappe seit 2014

Anders als in den übrigen Städten ist das Babykörbchen in Nordhorn nicht an einem Krankenhaus angebracht, sondern beim Sozialdienst katholischer Frauen. In dem Körbchen wurde 2019 zum ersten Mal seit fünf Jahren wieder ein Baby abgegeben, wie Mechthild Kopel NDR.de sagte. Kopel ist beim Sozialdienst für die Babyklappe und die Schwangerenberatung zuständig ist. Für verzweifelte Schwangere sei die Babyklappe der letzte Ausweg.

16 Jahre Anonymität bei vertraulicher Geburt

Eine vertrauliche Geburt in einem Krankenhaus ist gesetzlich seit Mai 2014 möglich. Ziel des Gesetzes ist es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums, "heimliche Geburten außerhalb von medizinischen Einrichtungen zu vermeiden und gleichzeitig zu verhindern, dass Neugeborene anonym abgegeben, ausgesetzt oder getötet werden". Die vertrauliche Geburt soll zum einen Frauen schützen, die ihre Schwangerschaft und Mutterschaft geheim halten möchten - ihnen wird mindestens 16 Jahre Anonymität zugesichert. Gleichzeitig räumt sie Kindern die Möglichkeit ein, nach Ablauf dieser Frist ihre Herkunft zu erfahren.

Jahr 2000: Bundesweit erste Babyklappe in Hamburg

Unabhängig von der vertraulichen Geburt gibt es auch weiterhin die Babyklappen, die Frauen absolute Anonymität gewährleisten. Die bundesweit erste wurde am 8. April 2000 in Hamburg eröffnet. Im darauffolgenden Jahr wurden auch in Braunschweig, Hannover, Nordhorn und Osnabrück Babykörbchen eingerichtet, in denen Neugeborene durch eine Klappvorrichtung auf einem Wärmebettchen abgelegt werden können. Ein automatischer Alarm informiert dann das zuständige medizinische Fachpersonal. In Stade, wo das kleine Mädchen ausgesetzt wurde, dem die Kinderkrankenpflegerinnen später den Namen Luisa gaben, gibt es eine solche Babyklappe nicht.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 30.12.2019 | 13:30 Uhr

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