Schule und Corona: Land verschärft Maßnahmen in Hotspots

Stand: 26.11.2020 18:41 Uhr

Das Land Niedersachsen verschärft die Maßnahmen an Schulen in sogenannten Corona-Hotspots. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat dazu am Donnerstag eine "Hotspot-Strategie Schule" vorgestellt.

Dabei geht es darum, wie in Regionen mit besonders vielen Corona-Fällen Schule und Infektionsschutz in Einklang gebracht werden können. Man ergänze die bestehenden Maßnahmen, um den Infektionsschutz zu erhöhen, sagte Tonne auf einer Pressekonferenz.

Hotspots: Maskenpflicht auch für Grundschüler

Verschärfte Maßnahmen gelten demnach für Schulen in einem Landkreis, in dem die Sieben-Tage-Inzidenz den Wert von 200 Fällen je 100.000 Einwohner überschreitet. Dort sollen ab dem 7. Jahrgang die Klassen in den betroffenen Hotspots automatisch in das Wechselmodell gehen (Szenario B) - das heißt, in geteilten Klassen abwechselnd zu Hause und in der Schule unterrichtet werden. Außerdem soll dann auch eine Maskenpflicht im Unterricht für Grundschüler sowie in Horten gelten. Die Maßnahmen sollen so lange aufrechterhalten werden, bis der betroffene Landkreis an drei Tagen in Folge unter einen Inzidenzwert von 200 sinkt - und keine neuen Corona-Infektionen an der jeweiligen Schule auftreten, so Tonne. Das Land werde für die neue Regelung eine Verordnung erlassen. Laut dem Kultusministerium soll sie ab dem 1. Dezember gelten.

VIDEO: Schule setzt auf Homeschooling parallel zum Unterricht (3 Min)

Drei Landkreise aktuell betroffen

Aktuell überschreiten nach Angaben des Ministers die Landkreise Cloppenburg, Osnabrück und Vechta den Inzidenzwert von 200. Der Landkreis Cloppenburg hatte bereits zuvor angesichts der anhaltend hohen Corona-Zahlen angekündigt, dass die Schülerinnen und Schüler bis zu den Weihnachtsferien weiterhin im Szenario B unterrichtet werden. Der Sieben-Tages-Inzidenzwert lag dort zuletzt bei mehr als 270.

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Tonne: Land hat vorgelegt

Mit Bezug auf die Ergebnisse des Bund-Länder-Gipfels sagte Tonne, dass Niedersachsen hinsichtlich der Schulen keinen größeren Nachbesserungsbedarf habe. Das Land habe mit seiner Strategie bereits gut vorgelegt. Tonne verwies dazu auf die seit Anfang November geltende Maskenpflicht an weiterführenden Schulen ab einem Inzidenzwert von 50 und die im Sommer geschaffenen drei Szenarien für den Schulbetrieb (Szenario A: Eingeschränkter Regelbetrieb; Szenario B: Schule im Wechselmodell und Szenario C: Distanzunterricht).

Schulen nicht ohne Not ins Wechselmodell

Der SPD-Politiker betonte zugleich, dass das von vielen geforderte Modell des Wechselunterrichts Nachteile habe. Er sei daher dagegen, Schulen ohne Not in das Szenario B zu schicken, so Tonne. Dafür hatten sich unter anderem der Landesschülerrat sowie der Philologenverband ausgesprochen. Aktuell sei der Präsenzunterricht uneingeschränkt an 2.430 Schulen möglich, sagte Tonne. An 570 Schulen gebe es entweder Wechselunterricht oder seien Klassen oder Lerngruppen von Quarantäne-Maßnahmen betroffen. Vor einer Woche seien es noch 675 Schulen gewesen. Mehr als 80 Prozent der Schulen im Land seien nicht betroffen. Dies sei "ein gutes Signal", so Tonne.

GEW fordert "Investitionsoffensive"

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte zwar den erleichterten Wechsel ins Szenario B. Nötig sei aber mehr als ein kurzfristiges Krisenmanagement, nämlich das Beheben von Personalmangel sowie der Defizite bei Sicherheit und Ausstattung in den Schulen. Es müsse endlich zu einer dauerhaften Investitionsoffensive an den Schulen kommen, forderte die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) betonte, dass die Regeln für den Umstieg auf einen Wechselunterricht auch das Gedränge in Bussen und Bahnen bei der Schülerbeförderung beende. Die Ausweitung der Schnelltests in Schulen sei zu begrüßen, es sei aber nicht nachvollziehbar, warum der verstärkte Gesundheitsschutz nicht für Lehrkräfte greife.

CDU hätte sich niedrigeren Inzidenzwert als 200 gewünscht

Der Schutz von Lehrkräften und Beschäftigten kommt in den Augen der CDU-Landtagsfraktion zu kurz: "Wir hätten uns daher einen niedrigeren Inzidenzwert als 200 für den Wechsel ins Szenario B vorstellen können", hieß es dort. Dennoch halten die Christdemokraten die Strategie des Ministers für einen "Schritt in die richtige Richtung". Sie gebe den Schulen und Eltern zumindest bis zum Ende der Winterferien eine gewisse Planungssicherheit. "Insbesondere begrüßen wir, dass unser Vorschlag einer vorweihnachtlichen Quarantäne umgesetzt wird. Damit erhalten die Familien die Gelegenheit, das Weihnachtsfest gemeinsam zu feiern."

Die Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg bemängelte, das jeweilige Schulszenario hänge weiterhin von den völlig überlasteten Gesundheitsämtern ab. Darüber sollten die Schulen endlich selbst entscheiden können.

Maskenpflicht im Unterricht nun bundesweit möglich

Beim Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch hatten sich die Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Merkel auf eine Verlängerung des sogenannten Teil-Lockdowns bis zum 20. Dezember geeinigt. Unter anderem entschieden sie, dass es eine Maskenpflicht im Schulunterricht geben soll. Diese soll ab der 7. Klasse greifen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über 50 ansteigt. Niedersachsen hatte diese Maßnahme bereits Anfang November eingeführt - sie gilt in Risikogebieten bereits ab der 5. Klasse. Bei Corona-Fällen an Schulen soll laut dem Beschluss künftig einheitlich vorgegangen werden: Infizierte und alle Klassenkameraden sollen unverzüglich für fünf Tage in Quarantäne geschickt werden. Danach ist ein Schnelltest vorgesehen. Ist der negativ, dürfen die Schüler wieder in die Schule. Für Lehrer soll die Quarantänepflicht nicht gelten.

Frühere Weihnachtsferien

Bund und Länder einigten sich zudem darauf, die Weihnachtsferien vorzuziehen - sie beginnen nun am 19. Dezember. In Niedersachsen sollte ursprünglich Dienstag, der 22. Dezember, der letzte Schultag in diesem Jahr sein. Kultusminister Tonne hatte sich zuvor gegen ein Vorziehen der Weihnachtsferien ausgesprochen, diese Position aber angesichts der neuen Rahmenbedingungen geändert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.11.2020 | 12:00 Uhr

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