Stand: 11.12.2017 10:41 Uhr

"Jeder zehnte Medizinstudent soll Landarzt werden"

Um die ärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten zu verbessern, spricht sich Niedersachsens neue Sozial- und Gesundheitsministerin für eine Landarztquote aus. "Jeder zehnte Medizin-Studienplatz soll an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, im Anschluss als Allgemeinärzte in unterversorgten Regionen zu arbeiten", sagte Carola Reimann (SPD) der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Montag). "Und es wäre gut, wenn angehende Ärztinnen und Ärzte schon im Studium - parallel zur Ausbildung in den Kliniken - mehr Erfahrungen in der ambulanten Versorgung sammeln."

Kliniken sollen kooperieren oder fusionieren

Die SPD-Politikerin sieht die Notwendigkeit, "in einem großen Land eine flächendeckende Versorgung" mit Ärzten zu gewährleisten. Dennoch spricht sie sich dafür aus, die Zusammenlegung von Kliniken weiter voranzutreiben - für Fusionen und Kooperationen gebe es noch Potenzial. "Wir wollen die Krankenhäuser zukunftsfähig machen", sagte Reimann.

359 Hausarztsitze unbesetzt

Der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund (NSGB) und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) forderten die Landesregierung bereits auf, mit einer Landarztquote die ärztliche Versorgung in unterversorgten und von Unterversorgung bedrohten ländlichen Regionen zu verbessern. In Niedersachsen waren Stand 1. November bereits 359 Hausarztsitze unbesetzt, wie die Verbände in einer gemeinsamen Pressemitteilung schreiben. "Eine Landarztquote macht aber nur Sinn, wenn zusätzliche Studienplätze eingerichtet werden", heißt es darin. Daher wird auch eine Aufstockung der Medizin-Studienplätze um eine Drittel von jetzt 600 auf 800 gefordert. Auch öffentliche Förderprogramme sollen dem Ärztemangel auf dem Land entgegenwirken, fordern die Verbände.

Weil: Staat investiert, Staat soll mit entscheiden dürfen

Vor der vorgezogenen Landtagswahl hatte sich Ministerpräsident Stephan Weil bereits für eine Landarztquote ausgesprochen. Wo es in ländlichen Regionen zu wenig Ärzte gebe, gebe es eine deutlich höhere Zahl von Medizinern in den Städten, so Weil Anfang Oktober. Auch Weil sprach damals von der Zehn-Prozent-Marke, die Reimann nun ins Spiel brachte. Eine medizinische Ausbildung koste den Staat etwa eine Viertelmillion Euro, hatte Weil gesagt. Da sei es angemessen, wenn der Staat steuere, an welchen Stellen diese jungen Mediziner gebraucht werden.

Weitere Informationen

Ministerin stärkt Gesundheitsregionen

Die neue Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) will die Gesundheitsregionen im Land weiter stärken. Acht neue Projekte werden mit insgesamt 600.000 Euro gefördert. (27.11.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 27.11.2017 | 18:00 Uhr

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