Ein Obdachloser im Winter. © picture-alliance / dpa Foto: Andreas Arnold

Obdachlos in der Pandemie: Niedersachsen plant für den Winter

Stand: 15.11.2020 10:43 Uhr

Im Winter kommen mehr obdachlose Menschen in Notunterkünfte. Kommunen wollen möglichst alle Hilfesuchenden aufnehmen - unter Beachtung der Corona-Maßnahmen.

Niedersachsen und Bremen sehen sich dafür gut aufgestellt. So bietet Hannover nach Angaben einer Stadtsprecherin rund 205 Plätze verteilt auf fünf Notschlafstellen an. Darüber hinaus gebe es Reserve-Standorte. Auch in Zeiten von Corona stehen in den Obdachlosenunterkünften sowohl Doppel- als auch Einzelzimmer zur Verfügung. Für Infizierte oder Verdachtsfälle gebe es demnach ein angemietetes Hotel als Quarantäne-Unterkunft. Die Zahl der Wohnungslosen in Hannover wird auf bis zu 4.000 geschätzt.

Videos
Menschen stehen in einer Schlange für Essen an. © NDR
4 Min

Obdachlos in Corona-Zeiten

Sankt Pauli dreht sich nochmal im Bett um, aber Patrick ist schon lange auf den Beinen. Um acht Uhr geht's los in der Obdachlosenhilfe Alimaus. In ein paar Stunden stehen um die 200 Menschen vor der Tür und warten auf ein Mittagessen. Doch seit Corona läuft alles anders. (23.09.2020) 4 Min

Kritik von Diakonie

Schlafplätze gebe es aber nicht genug, kritisiert die Diakonie in Hannover. "Der gesetzliche Auftrag wird auch in Corona-Zeiten erfüllt, die Betreuung durch Sozialarbeit bleibt aktuell aber eher auf der Strecke", sagte Sprecherin Insa Becker-Wook. Der Kontaktladen "Mecki" des Diakonischen Werks betreue etwa 60 bis 70 Obdachlose. "Unter Corona-Bedingungen und mit den nötigen Abständen können wir zurzeit aber immer nur jeweils fünf reinlassen und haben entsprechend lange Schlangen vor der Tür."

Plätze reduziert, um Abstand zu wahren

In Göttingen steht laut Stadtsprecher Dominik Kimyon eine extra Quarantäne-Wohnung für ankommende Wohnungslose. "Nach der Quarantäne-Zeit werden sie in einer normalen Wohnung untergebracht", so der Sprecher. Die Platzzahlen in den Unterkünften seien aufgrund der Corona-Pandemie entsprechend reduziert worden. In Braunschweig gibt es verschiedene Schlafstellen über das Stadtgebiet verteilt. Die Auslastung liegt Sprecher Rainer Keunecke zufolge mit 180 belegten Plätzen derzeit bei rund 71 Prozent. Die Bewohnerinnen und Bewohner würden bezüglich der Pandemie aufgeklärt. In den Noträumen seien Schlafplätze so angelegt, dass Mindestabstände gewahrt werden könnten. Bei Ankunft würden Mund-Nasen-Schutz und Seife verteilt, zusätzlich gebe es eine neue Matratze und Bettzeug. Auch in Oldenburg und Osnabrück sollen die Hilfesuchenden so auf die Schlafplätze verteilt werden, dass Abstände eingehalten werden können. Notfalls will man in Osnabrück auf Hotels zurückgreifen

Weitere Informationen
Ein wohnungsloser Mann sitzt in der Innenstadt Hannovers und löffelt Eintopf aus einer Schale, die er von Helfern des Kältebusses der Johanniter-Unfall-Hilfe bekommen hat. © dpa Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg

Hilfe für Obdachlose: Der Kältebus fährt wieder

Mobile Hilfe: Suppe, Tee und warme Decken - seit Anfang des Monats versorgen Hilfsorganisationen Bedürftige aus dem Bus. (10.11.2020) mehr

Obdachlose Männer liegen und sitzen in der Fußgängerzone der Innenstadt Hannover. © dpa-Bildfunk/picture alliance

Obdachlos in der Corona-Krise: Schwere Zeiten auf der Straße

Die Landesarmutskonferenz Niedersachsen befürchtet mehr Obdachlose im Winter - und weniger Hilfsangebote wegen Corona. (17.10.2020) mehr

Ein Mensch in Ganzkörperschutzanzug mit blauen Handschuhen hält ein Corona-Test-Röhrchen in Händen. © picture alliance/Fotostand Foto: Havergo

Corona in Niedersachsen - keine Lockerung in Sicht

Vor dem Bund-Länder-Treffen zu Corona rückt erneut Weihnachten in den Fokus. Stephan Weil hatte klare Regeln gefordert. mehr

Ein Teststäbchen wird gezeigt. © picture alliance Foto: Johan Nilsson TT

Corona: 762 Neuinfektionen in Niedersachsen

Die Zahl der Infektionen ist gestiegen, der 7-Tage-Inzidenzwert pro 100.000 Einwohner auf 101,9 gesunken. mehr

Eine Mund-Nasen-Maske hängt an einem Tishc im Klassenzimmer. © picture alliance/imageBROKER Foto: Michael Weber

Corona-Ticker: Beginnen die Weihnachtsferien bundesweit früher?

Im Gespräch ist offenbar, dass die Schulferien auf den 19. Dezember vorgezogen werden. Mehr Corona-News im Ticker. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.11.2020 | 16:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Leerer Klassenraum © Fotolia.com Foto: Uolir

Zwei weitere Tage: Weihnachtsferien noch früher geplant?

Niedersachsen hatte den Ferienbeginn schon auf den 18. Dezember vorgezogen. Der Bund will nun eine weitere Vorverlegung. mehr

Ein Mann hält einen Silvesterböller in der Hand. © picture-alliance / ZB - Fotoreport Foto: Andreas Lander

Feuerwerksverbot an Silvester? Hersteller kritisieren Pläne

Bereits eine geplante Empfehlung zum Verzicht stößt auf Unverständnis bei Herstellern aus Niedersachsen. mehr

Fotos von Geflüchteten in der Landesaufnahmebehörde in Braunschweig. © NDR

Keine Strafbefehle gegen Ex-Leiter der Landesaufnahmebehörde

Das Amtsgericht Braunschweig sieht kein strafbares Vergehen der beiden im Zusammenhang mit Fällen von Asylbetrug. mehr

Heiger Scholz (SPD), Leiter des Krisenstabes zur Corona-Pandemie informiert über die aktuelle Lage. © dpa Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Corona-Krisenstab sieht ganz leichte Fortschritte

Nach Einschätzung von Niedersachsens Krisenstabsleiter Scholz müssen die Corona-Maßnahmen dennoch fortgeführt werden. mehr