Stand: 23.06.2020 12:00 Uhr  - Hallo Niedersachsen

"Night of Light": Alarmstufe rot für Eventbranche

von Jörg Ihßen
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Wegen der Corona-Pandemie fallen zahlreiche Veranstaltungen wie etwa Konzerte aus. (Themenbild)

Mit der bundesweiten Aktion "Night of Light" hat die Veranstaltungsbranche am Montag auch in Niedersachsen ein Schlaglicht auf ihre finanzielle Notlage durch die Corona-Krise geworfen. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, erstrahlten im ganzen Land Hunderte Gebäude in rotem Licht. So leuchteten etwa in Oldenburg das Kulturzentrum PFL, in Hannover das Theater am Aegi und das Schloss Bückeburg. Zudem wurden das Rathaus Goslar, Windräder bei Osnabrück und Strandkörbe auf Langeoog angestrahlt.

Immenser wirtschaftlicher Schaden

Hintergrund der Aktion: Seit dem 10. März sind die Aufträge für Beleuchter, Tontechniker und Bühnenbauer nahezu komplett weggebrochen. In einer 36-seitigen Studie, die dem NDR vorliegt, analysiert der Verband für Medien- und Veranstaltungstechnik (VPLT) die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche und beziffert den jährlichen Umsatz in Deutschland auf 130 Milliarden Euro. Damit gehöre diese Branche zu den zehn wichtigsten Arbeitgebern in Niedersachsen und habe direkte Auswirkungen auf Reiseveranstalter, Gastronomie- und Hotelbetreiber.

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DJs seit März ohne Einnahmen

Die "Alarmstufe Rot" sei erreicht, viele selbständige Veranstalter, Künstler oder Bühnenbauer würden finanziell keine 100 Tage mehr überleben, so die Organisatoren der "Nacht des Lichts". Auch Discjockeys hätten seit März keinerlei Einnahmen mehr, sagte Dirk Wöhler vom Berufsverband der DJs in Braunschweig. Hinzu komme, dass größere Partys Monate vorher geplant werden müssten. Selbst wenn morgen alles wieder erlaubt wäre, kämen die Einnahmen frühestens in einem halben Jahr, so Wöhler.

Betroffene mit Konjunkturpaket unzufrieden

In den Veranstaltungsbranche herrscht Unverständnis darüber, dass in dem beschlossenen Konjunkturpaket der Bundesregierung kein Sonderhilfsfonds für Veranstaltungsunternehmen vorgesehen ist. "Die Maßnahmen sind nach wie vor nicht dafür geeignet, die tiefgreifenden Umsatzverluste in unserer Branche seit Mitte Februar 2020 aufzufangen", sagte der VPLT-Vorstandsvorsitzende Helge Leinemann dem NDR in Niedersachsen. Die beschlossenen Überbrückungshilfen seien nicht ausreichend, weil sie die Notlage kleinerer Betriebe und vieler Solo-Selbstständiger nicht berücksichtige.

Zahlreiche Insolvenzen befürchtet

Ohne Hilfe werde der gesamte Sektor unweigerlich bis zum Ende des Jahres in die Insolvenz gehen, so Leinemann. "Das wird unsere Branche zurück in die 1980er-Jahre katapultieren." Die Folge seien Steuerausfälle bei Bund, Ländern und Kommunen. Nach Ansicht von Leinemann müsse die Regierung deshalb zusätzlich zu den beschlossenen Regelungen wie Kurzarbeitergeld und KfW-Kredite direkte Zahlungen an die Unternehmen leisten. Für die Auszubildenden in der Branche sollte zudem unter der Beteiligung der Sozialpartner ein bundesweiter branchenübergreifender Zukunftsfonds zur Fachkräftesicherung eingeführt werden.

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