Niedersachsen hält vorerst an genereller Maskenpflicht fest

Stand: 09.07.2021 19:54 Uhr

Trotz niedriger Inzidenzwerte will das Land die Maskenpflicht zunächst beibehalten. Die Folgen der Delta-Variante seien noch unklar, zudem seien erst 40 Prozent der Niedersachsen durchgeimpft.

"Wir müssen, wie so häufig in dieser Pandemie, die Entwicklungen abwarten", sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums Oliver Grimm am Freitag in Hannover. Ein generelles Ende der Maskenpflicht "wäre jetzt auch das falsche Signal". Auch an den Hygieneregeln wie etwa Abstandhalten und Lüften sei erst einmal nicht zu rütteln. Zudem hielten viele Menschen die Regeln für sinnvoll, wie Regierungssprecherin Anke Pörksen betonte. Als die Landesregierung im Mai eine Lockerung der Maskenpflicht im Einzelhandel erwogen hatte, habe das zu großem Protest geführt. "Die Menschen haben uns geschrieben, dass sie mit der Maske erst mal gut leben können, sich sicherer fühlen gerade in Geschäften oder im ÖPNV", sagte Pörksen. Zudem könnten Kinder unter zwölf Jahren bis auf Weiteres nicht geimpft werden.

Infektiologe hält Maske für effektiv und zumutbar

Für die Maskenpflicht spricht sich neben dem Verband der Intensivmediziner auch der Infektiologe Matthias Stoll von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aus. Die Delta-Variante sei nicht nur ansteckender, sondern heble auch den Immunschutz teilweise aus. Bevor die Regel falle, sollten 85 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft sein, so Stoll. Die Maske sei ein effektives und zumutbares Mittel. Diese Position unterstützt auch der Handelsverband Niedersachsen-Bremen. Die Kunden hätten sich daran gewöhnt, sagt Hauptgeschäftsführer Mark Alexander Krack. Man müsse abwarten, wie sich die Lage bis zum Herbst entwickle.

Hausärzte befürworten Lockerungen bei niedrigen Zahlen

Der niedersächsische Hausärzteverband hält dagegen bei niedrigen Inzidenzen Lockerungen für sinnvoll. An Orten ohne Infizierte sei es den Menschen schwer zu vermitteln, warum sie weiter überall Masken tragen müssten. Den Intensivmedizinern sitze möglicherweise noch der Schreck der letzten Welle in den Knochen, sagte der stellvertretende Vorsitzende Jens Wagenknecht. Er halte das Risiko, dass die Delta-Variante das Gesundheitssystem zu sehr belaste, für gering.

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Kein Grund für Impf-Anreize: 30.000 Spritzen täglich

Im Kampf gegen die Virusmutation hält die Landesregierung Anreize für Impfungen derzeit unterdessen noch nicht für nötig. Das Impftempo in Niedersachsen sei nach wie vor hoch, auch wenn es in vielen Impfzentren freie Termine gebe, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. "Nach wie vor werden allein in den Impfzentren täglich mehr als 30.000 Impfungen durchgeführt, auch weil viele Personen von der Warteliste in diesen Tagen an der Reihe sind", sagte Ministerin Daniela Behrens (SPD). Belohnungen, Lotterien oder Geschenke wie etwa in den USA seien bisher nicht in der Planung, sagte die SPD-Politikerin dem NDR in Niedersachsen. Zuvor hatten sich bundesweit mehrere Politiker sowie die Ärztegewerkschaft Marburger Bund für "kreativere Impfangebote" ausgesprochen.

Land setzt auf Information - und mobile Teams

Das Land will weiter auf Information setzten, um das Tempo der Impfkampagne hochzuhalten und auch unschlüssige Menschen zu erreichen. Dafür soll in den kommenden Wochen verstärkt dezentral und mobil geimpft werden. Auch Infobusse sollen zum Einsatz kommen. Das Ministerium betonte, dass die Kommunen den Impfstoff selbstständig für Impfaktionen an Universitäten oder etwa in sozial benachteiligten Quartieren verplanen können.

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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 09.07.2021 | 19:30 Uhr

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