VIDEO: Kirchenaustritte halten an (1 Min)

Niedersachsen: Mitgliederschwund in Kirchen setzt sich fort

Stand: 14.07.2021 20:08 Uhr

Die evangelische und die katholische Kirche verlieren auch in Niedersachsen weiter Mitglieder. Die Austrittszahlen waren 2020 jedoch niedriger als zuvor. Die Kirchen verweisen auf einen Corona-Effekt.

Bischof Felix Genn vom Bistum Münster, zu dem auch der Offizialatsbezirk Oldenburg gehört, warnte davor, die Austrittszahlen "schönzureden". Zusammen mit Bischof Heiner Wilmer vom Bistum Hildesheim sowie Generalvikar Ulrich Beckwermert vom Bistum Osnabrück wies er darauf hin, dass die vergleichsweise niedrigen Austrittszahlen nicht als Trend bewertet werden dürften. "Die Corona-Pandemie hat für manche auch den Zugang zu den Behörden und damit den Austrittsvorgang erschwert", sagte Beckwermert. Auch Stephanie Springer, Präsidentin des Landeskirchenamtes in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, weist auf die zeitweise geschlossenen Behörden während der Pandemie hin. Bezüglich der Austritte könne es "keine Entwarnung" geben.

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Weniger Taufen - weniger neue Mitglieder

Aber auch in anderen Bereichen habe die Pandemie sich auf die aktuellen Mitgliederzahlen ausgewirkt, betonten Genn, Wilmer und Beckwermert. So gab es im Jahr 2020 kaum Taufen - und damit auch weniger neue Mitglieder. In den katholischen Kirchen war die Zahl im Vergleich zu 2019 um ein Viertel geringer, in den evangelischen Landeskirchen halbierte sich die Zahl der Taufen im Vergleich zum Vorjahr. Auch bei den Trauungen, Erstkommunionen und Firmungen sowie Gottesdienstbesuchen ist es aufgrund der coronabedingten Einschränkungen etwa im Bistum Osnabrück zu überdurchschnittlichen Einbrüchen gekommen.

57 Prozent der Bevölkerung gehören großen christlichen Kirchen an

In Niedersachsen gehörten Ende 2020 rund 3,34 Millionen Menschen einer der fünf evangelischen Landeskirchen an. Das sind etwa 72.000 weniger als im Vorjahr. Landesweit ging der Anteil der Protestanten auf 41 Prozent zurück. In den katholischen Bistümern sank die Zahl der Mitglieder insgesamt um rund 23.000 auf 1,36 Millionen Menschen - das entspricht einem Anteil von 16 Prozent der Bevölkerung in Niedersachsen und Bremen. Insgesamt gehören in beiden Bundesländern damit 57 Prozent der Bevölkerung einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Bundesweit liegt die Zahl bei 51 Prozent.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.07.2021 | 14:00 Uhr

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